25.8.07

Altona

Kack die Scheiße an! Verdammte Rotze… Kotz den Brocken in die Schlonzkommode und iss den Apfel des Ekels. Voll Gewürm, quabbeliger Schlabbermasse, Gülle, Jauche, Erbrochenem, Gedärm und Exkrement – Hinan mit ihm!! Schluck’ das runter… So ist fein.. Na! Nicht würgen, schön drin behalten, guuut (mitfühlend über den Rücken streicheln), und jetzt nur noch diesen Löffel Tran… aaaaaah, den Mund aufmachen, schön weit und ZACK! Rischtisch legger, oder? Na, komm schon, so schlimm war’s nicht… na ja, keine Antwort ist auch eine Antwort, gell? Ja, ja… so ist es….komm’ steh auf…. Hmmm….. (so tuend, als wäre man nicht interessiert, dass der andere bei diesem blöden Spiel den längeren Atem hat)…summen…(die Zeit verstreicht).
Holger war längst tot.


Ruhekraft. Sinnfreiheit. Gedankengrenze. Himmelstille. Langsamkeitsbett. Schwebeminute. Wärmehülle. Sanftspender. Gelassenheitstreifen. Stahlpflock. Hackstrahl. Brechgnom. Faustgewitter. Hagelbresche. Gewaltexplosion. Rauchtrommel. Gebälkbruder. Steigfirn. Rasselhering. Quatschtrompete. Blasgesäß. Knalltroll. Wollustrieren. Triefgaumen. Gschlonzgelüste. Laberlampe. Blubbe. Bitte. Tittelbild. Bald. Bunsenbrenner. Burner. Burger King-Kong. Schnabelschnalzgsälz, Gott vergellt’s!

Labber misch nisch an,
So übern Tisch nisch!
Sonst fängsch du den Fisch nisch rischtisch,
Bevor er in dein Gesicht drischt,
Alder.

Falter der Nacht,
nun ist’s vollbracht.
Die Nachbarn klopfen
Mit Nachdruck an die Deck’.
Ruhe ist gewünscht,
Genug jetzt angeeckt.

Stecker raus, Klampfe tot,
Schluss für heut’
ihr lieben Leut’
Macht euch ein schönes Abendbrot.

Ratatataaa Ratatatatataaa
Rigidigidingdongsong.
La le lu, nur der Mann im Mond scheint zurück.
Juchee, Mond!! Mond, wohl an!! Mooond, hinauf..!!, MMMoonndd, paradei!..!! MO-hond!! MO-HO-HO-nnnd!! Galant entlang an der Hafenwand, Glück auf!!! Prosit – „Bling“. Spring, mein Mondpferdchen, tolles Kind, treibe deine Leiber an, scheuche die Glieder, und wieder und wieder sing’ dieses Lied,
das mir von meinem Mädchen übrig blieb.
Aber leise, nur ganz leise,
denn meine Nachbarn sind die Spießer-Greise.

Walter Hutchpinkler entered the room. Damn, it was dark in there. Couldn’t see a shit. With his hands he reached out onto the darkness, nothing there, so he took his first step. The wooden floor gnarled under his feet. “Who’s there?!?!” a high pitched, squeechy voice shouted angrily out of the “supposed-to-be” corner. Walter (his friends called him Watchpinkler) fired 5 rounds to the direction of “surprising”- voice. As the shots flashlighted the room he could see a cacadoo dying on low frequence. Feathers scatterd, soared and blood was having a party everywhere. He feld so damn fuckin’ cool, smooth tiger. Move those muscles! Move ‘em right, use ‘em tight, take it close, feel the rumble. Jungle! Fever it up! Cool it down… Down in the past, deep down in the past, there was a Walter, struggling for survival. This right now, this was a different Walter: smashing the bloody shit out of one freakin’ budgee. Take that, you motherfuckin’ Backstreet Boy, Take it in sync with my hailing assaults, focused on your poor appearance, your bitter existence, your lame mind and your grose pimples.
But little did Waldo know, that cute dead cacadoo was his best friend on the face of earth. And the fact, that everyone hated Walter… and those “friends”, who called him Watchpinkler, were actually making fun of him. All this he did not know. Poor Waldo, all alone on killing-spree. And because deadly wounded birdy was the only living thing in the room besides him, he had to commit suicide to fullfil his rush. Where is Waldo now? Where is the spirit of Walter? Can anyone tell? Is there an answer? YES!! Cold Turkey. Downsize. Keep downshifting.

Orange ist das Licht in einer nächtlichen Stadt.
Das ist die Stadt.
Keine Sterne. Eine orangene Glocke. So many people in the neighbourhood.
Das ist die Stadt.
Wo, wer, wie, warum und wat?
Dat is die Stadt.
Warum ist das Eis nich glatt?
Das is die Stadt.
Warum werde ich nich satt?
Das ist die Stadt.
Hochglanz oder matt?
Das is die Stadt.
Pizza nach Övelhude, ZACK ZACK!!!
Das ist die Stadt.
Hält dich auf Trapp,
die Stadt.
Zeit wird knapp,
mach nich schlapp!
Es geht bergab,
ich liebe im Körperlichen die Schnelligkeit,
im Geiste nur herrscht Langsamkeit weit und breit.

Angenehm, angenehm.

Zwei Teile laufen umher und
treffen einander nicht.
Um sich selber drehend,
im Kreise gehend, pendelnd,
taumelnd, schaukeln sie
durch dürres Neon-Licht.

Wie Atome im Gewirr des Moleküls,
wie Atemzüge da sich Küssender,
weichen sie voneinander,
stürzen aufeinander,
um im letzten Moment,
HURRA HURRA , die Schule brennt!!!

Sing Hallelujah!

'appy people, come on...

Ein ganz ein schönes Lied. Wie gerne würde ich volle Kanne aufdrehen. Bis zu Anschlag. Und dann: abspacken. Richtich gepflecht; ordentlich einen abspacken. Rabbeldizappel. Aber nein, die Nachbarn… ACH SCHEISS AUF DIE #*!!§# - NACHBARN:

SING HALLELUJAAHHH!!!!!
Singin’ Hallelujah.
Singing, dancing Hallelujah .

Aaahhh… relief.
Das tat gut.

Raddl viel, mei maddl, dann wird’s Waddl bestimmt au stramm und gradl.

Auf einer kleinen Wiese im grünen Taubertal trafen sich drei junge Kiffer. Einer von ihnen, zufällig der Älteste von ihnen, hatte das Treffen einberufen und alle geladenen Teilnehmer waren erschienen. Nun konnte die wichtigste Sache des Jahrtausends endlich diskutiert werden.
Nun, was ist denn die wichtigste Sache des Jahrtausends? Natürlich: der Stoff.
Und als die Drei merkten, dass keiner von ihnen was zu rauchen dabei hatte, war die Stimmung derbe im Arsch, und keiner wollte mehr diskutieren. Sie überlegten, wer denn noch Gras haben könntée… Alle drei haben ein Handy. Einer, der mit T-Mobile, hat Empfang. Er hat der grasverdächtigen Nummern drei. Erste Nr.: Ne, geht nix… Der is grad in Griechenland. Schöne Scheiße, ungefähr 3 € verprasst, aber egal, Stoff…. Muss her.. irgendwo… Zweite Nr., da hat er bestimmt seit nem Jahr nicht mehr angerufen.
„Ja, hi, hier is der (wer auch immer… Thore oder so), wie geht’s? ………Ja, auch..kann mich nich beschweren…. Bla, bla blaaaaaa laberlaber! Boom boom schlaaberlaaber….
Kein Gras, wurde jüngst von den Bullen gefickt.
Letzte Nummer: Mailbox. Man hinterlässt sogar ne Nachricht. Sonst macht man das nie. Bluetooth.

Blauzahn.

Sie kommen auf die Legende des Blauzahn-Mörders aus dem Taubertal. Vor ungefähr 30 Jahren waren sieben Menschen, wahllos, keiner stand in irgendeiner Verbindung zum anderen (nur nach ihrem Tode waren sie vereint, in der Trauer der geschockten Gemeinde), ermordet worden. Was wurde diesem Dorf nicht alles genommen… Der Bäcker, 45, Frau, 2 Töchter; ein Jugendlicher, 15 Jahre jung, beliebter Schüler des örtlichen Gymnasiums; Kioskmann, Alter unbekannt, keiner kannte seinen Namen; Frau Marlene Österlitz, 69, beliebtes Original mit verruchter Vergangenheit; ein Ingenieur, 31, verheiratet und zu nicht Letzt: die Hoffmann-Zwillinge, zwei stotternde Schach-Asse, bis zu ihrem Tode unbeachtet. Na gut, zwischen denen beiden gab es einen Zusammenhang, aber sonst nicht. Niemals! Alle Leichen wurden hier gefunden, im unregelmäßigen Abstand von zwei Wochen bis 4 Monaten. Die Polizei tappte im Dunkeln und wurde hingehalten, von einem Mörder, der mit den Leichen auch immer einen blauen Kinderzahn hinterlies. Alle diese Zähne, so fanden die Forensiker heraus, stammten aus ein und dem selben Gebiss
Einer geht pissen in der Dunkelheit. Nach ein paar Augenblicken schreit er aus dem Hintergrund auf. Die anderen folgen dem Schrei ins Dunkle. Handylicht an. Da steht der Pisser neben einer, im Gras liegenden Person. Die dritte Nummer. Die Mailbox. Hier liegt die dritte grasverdächtige Nummer – tot. Vorhin, als sie bei Dämmerung hier ankamen, war sie 100% noch nicht da gewesen. Angst macht sich breit. Einer hat die Leiche jetzt schon angefasst. Panik steigt auf, nimmt sie ein, stielt die Vernunft und schickt sie ins Verderben. Da liegt auch der blaue Zahn. Neben der dritten Nummer auf einem Tempo. Es raschelt. Schiss… Das Handylicht geht aus. Die Panik bricht aus. Sie rennen los. Blind stoßen sie gegen einander, gegen Bäume, einer fällt in den seichten Fluss und ist sofort tot. Piranhas lassen gar nichts von ihm übrig. Der andere bricht sich das Genick an einem Ast und muss miterleben, wie er selbst bewegungsunfähig in einem Kuhfladen erstickt. Der letzte rennt durch Zufall oder Glück oder Pech nach Kopenhagen. In einem Internetkaffe lernt er Lamalya kennen, als poli………………………………………………………………………………

Aber da erwischt in der Blauzahn-Mörder! Kurzer Prozeß. Blut landet fast elegant auf Lamalyas Wange. Ein Streichquartett versüßt diesen Augenblick, natürlich unwissend, denn sie spielen nur im TV an der Wand. Aber selbst der Sterbende erkennt mit seiner letzten Geistesgegenwart die Schönheit der Musik und schließt sein Leben mit einem Lächeln auf den Lippen. Der Mörder ist plötzlich emotional befangen, er zeigt Nerven, entschuldigt sich bei Lamalya. Dann geht er selbst offline. Als Lamalya im Zuge der Ermittlungen von der deutschen Polizei genauer unter die Lupe genommen wird, stellt sich heraus, dass es ihre Milchzähne waren, die stets im Taubertal neben den Opfern lagen. Ruff jeschissen.

Gruß des Chaos’ an die reizende Ordnung. You better always rage against the machine!

18.5.07

Check One Two...

I'm running a test.

http://www.myspace.com/janoschman


Listen up!

Und wieso kann... ach egal. Quality sucks... Test it out. There's music in the air...

Ignore that post. Read the long one below.

17.5.07

Ja. Eines wollte ich noch los werden.

Das war’s. Jetzt stand sein Entschluss fest. Er schlüpfte in seine Schuhe, nahm den Schlüssel, zog sich nen Pulli an. Zur Türe raus ins Auto. Es war noch kalt an dem frühen Morgen, so kalt, dass sein Atem nebelte. Es sah nach einem grauen Tag aus. Canned Heat rein und los. Schnell bei der 24/7 Tanke noch halten. Auftanken, Kippen und ein paar Mr. Browns. Er sagte nix zum Türken hinter der Kasse, wollte seine Fahne geheim halten, denn er kannte den Türken gut, wollte ihn nicht mit rein ziehen. Mann, er war eigentlich noch total besoffen, aber der Zenit der wilden Nacht war lange überschritten, es war ne nüchterne, müde Besoffenheit. Der ganze Rambazamba steckte in seinen Beinen, seine Klamotte stank nach Rauch, auf seinem schwitzklebrigen T-Shirt unterm Pulli waren bestimmt Kotz- und Alkflecken. Geheimzahl eingeben, ein Auge zu machen, die Tasten sind zu klein. Warten, Zettel kommt raus, im Umdrehen nen lässigen Zwei-Finger-Gruß an den Türk’, ein gedachtes Salute, wieder in die Karre. Raus auf die Straße, Radio lauter, Heizung an und den Kippenanzünder reingedrückt. Nach ein paar Sekunden kommt er warm glühend wieder raus, mit den Knien lenken, Folie abfuddeln, man kriegt aus ner neuen Schachtel manchmal schwer die erste Kippe raus, er hat jetzt keine Zeit für Perfektion, ein Griff: 10 Kippen in der Hand, auf den Beifahrersitz damit. Eine behalt’ ich hier bei mir – dem Fahrer…

In die Glut gehalten, läuft. Fenster leicht runter. Jetzt war er unterwegs.

Da fuhr er nun lässig auf der Umgehungsstraße, fuhr durch die Peripherie seiner Stadt, auf die leere Autobahn, seinem Untergang entgegen. Er kurbelte den Sitz soweit nach hinten wie es überhaupt nur geht, verdrehte den Rückspiegel (und er war froh, dass das ging) so krass, dass er über ihn, im Sitze liegend, perfekte Sicht nach vorne auf die Straße hatte. Er lenkte mit einer Hand am unteren Rand des Lenkrades, rauchte mit der anderen. Mit einem Auge peilte er den Spiegel an und versank in Zufriedenheit. Er aschte auf seine Brust. Aus Faulheit und weil es ihn auch nich juckte. Das war ein gutes Gefühl. Voller Tank, volle Kippen, den Blues im Ohr und dann ging die Sonne auf.

Der graue Schleier wich, die Sonne scheuchte den Schatten der Nacht hinfort. Und er ritt ihm hinterher, den jungen Tag ihm Rücken, die sterbende Nacht voraus. Er dachte an alles, was sein Leben bis zu diesem Zeitpunkt ausgemacht hatte und er sah für sich, dass es ein gutes Leben war. Er erfreute sich am Guten wie am Schlechten, ja am Schlechten sogar noch tausendmal mehr, wie es eigentlich nur ein Weiser tun kann. Oder ein Betrunkner. Mit einem breiten Grinsen setzte er sich auf, um den Stummel zum Fensterschlitz raus zu werfen. Das Auto fuhr wie von selbst. Die Straße war breit, die Straße war gerade und leer. Er warf einen Blick zurück. Der fette, rote Ball wabberte überm Horizont und strahlte in sein glückliches Gesicht. Wärme. Die Heizung kann jetzt aus. Der heiße Blick des nahen Sterns hatte ihn belebt. Er kurbelte den Sitz wieder hoch, schüttelte seinen Kopf und schnaubte wie ein Pferd. Knallte sich ein paar, ließ das Fenster ganz runter und schrie raus: „Rock and Roooll, verdammt!“. Er zog mit 200 Sachen an einem einzelnen Sattelschlepper vorbei.

Es gibt Pferde. Die sind normal. Da reiten kleine Mädels drauf. Die ziehen Kutschen mit Touristen, mit Scheuklappen scheißen sie in einen Sack, der hinter ihrem Arsch hängt. Wenn sie brav sind, springen sie über Hindernisse, tragen ihren Reiter durch Nacht und Wind, über Stock und Stein. Laufen im Rechteck unnatürlich Kreuzschritt, Pi Pa Po… Und es gibt Wildpferde. Die sind frei und wild. Die tragen niemand, die ziehen nichts. Freiheit mit Beinen und Mähne. Und wie Pferde gibt es Menschen. Und ich bin ein Wildmensch. Ab jetzt. Ich scheiß’ in keinen Sack mehr! Ich scheiß’ auf die Pflichten, die keine sind, auf meine Scheuklappen. Ich unterwerfe mich NICHT irgendjemandem. Ich trage diese gesellschaftliche Unzufriedenheit nicht mehr, ich brech’ aus, ich hau’ ab. Ich bin frei. Jetzt!

The taste of love is sweet.

Scheiße, er hatte keinen Bock mehr auf das Auto. Lass’ stecken… Er konnte es nicht mit seinen Gedanken und guten Hoffnungen lenken, es nahm ihm seine neue Freiheit. Ich geh zu Fuß weiter. Das dachte er sich, nachdem er eingenickt, mit 220 km/h die rechte Leitplanke durchschlagen, die Böschung runtergeschanzt, in einem Acker aufgeschlagen war, sich acht mal überschlagen hatte und anschließend unverletzt aus dem Wrack krabbelte. Er steckte sich die Kippen und die Mr. Brown Kaffees in die Tasche, klopfte sich die Kleidung glatt und ging.

Geil. Hinter ihm flog die Karre in die Luft. Neben ihm schlug das Nummernschild ein.

„Ciao bello.“ In einem kurzen Anflug von Sentimentalität verharrte er an der Stelle, lächelte schief und ging weiter. Gute Schuhe, gute Sambas… This boots are made for walking.

Er hatte keinen Plan, wo er war. Er sollte erst später herausfinden, dass er im Schlafe die französische Grenze überquert hatte, im Schlafe Frankreich hinter sich gelassen hatte und nun ihn Spanien war. Und dass Interpol ihn suchte, wusste er auch nicht.

Maannn! Es war so warm. Und es war wieder Nacht. Ich hab’ sie eingeholt, war sein erster Gedanke.

Er erinnerte sich an die Nacht, die ihm (schon wieder) entfleucht war. Die heiße Nacht. Alles war cool gewesen. Easy going. Mit dem Wissen, was ihn erwartete, hatte er geduscht, seine beste Robe aus’m Schrank geholt, Zähne geputzt, laut Musik gehört, Deo unter die Achseln, an der Tür klingelt’s, komm’ rein Kumpel, vorglühen und dann los ziehen. Und SIE war wieder so verdammt schön und die Vibes waren so gut, er hatte seinen perfekten Level gefunden, er war witzig, er war aber auch er selbst, he was the man, perfekte Musik, gut getanzt, gerockt, mit Kumpels draußen einen geraucht und gelabert über die Mädels, mit seinem wichtigsten Mädle selbst draußen eine geraucht, im richtigen Augenblick romantisch gewesen, aber nicht zu sehr, zurückhaltend, nun aber mit stolzgeschwellter Brust zurück. Party on!

Und dann vergaß er das Ende. Keine Nacht ist für immer. Er trank zuviel, schoss über’s Ziel. Schon wieder. Er hatt’s versaut. Irgendwann in den heimlich geheimen Stunden, wenn Parties sterben, hat er die Ausfahrt verpasst. You’ll never reach the sky! Abgeschossen, kotzend über der Kloschüssel verpufft jede Romantik sehr schnell. Sein Mädel war weg. Und er läuft 10 km nach Hause. Und die Gedanken versuchen in Panik Halt zu finden, aber nein, sie reißen alles mit. Scheiß’ doch auf’s Mädel, scheiß’ auf die Uni, scheiß’ auf die Scheiße und geh! Behalte deine Würde, zieh’ dich aus dem Kack zurück. Lass’ alles einstürzen und lass’ alle anderen im Müll der Welt untergehen. Mach dich auf die Reise zu dir selbst. Und zwar nicht später, nicht in einer Woche, nicht morgen, geh jetzt, müde, dreckig, stoned, besoffen, jetzt, wenn es am unbequemsten is, geh’ und lern dein Lachen wieder kennen. Mann! Du liegst schon im Bett, steh auf! Zeit, dass sich was dreht…

Und so ließ er alles zurück. Sein ganzes Leben sollte auf der Strecke bleiben. Auf welcher Strecke? Scheiß drauf, der Weg is das Ziel. Und so lief er durch die spanische Nacht, trank eine Dose Mr. Brown, war fit. Was er nicht wusste: er hatte im selbst fahrenden Auto 15 Stunden geschlafen. Die anderen Dosen in seiner Tasche nervten ihn, sie bembelten beim laufen dumm rum, also warf er sie weg. Lebe im hier und jetzt. Werde los, was dich stört. Er fand einen Weg und ging Richtung Mond. So ein schöner Mond mit all seinen wohlklingenden Meeren. Er hatte sie alle mal bei Wikipedia nachgeschaut. Wirklich alle hatten coole Namen.

Vom Laufen wurde ihm warm. Er zog seinen Pulli aus und warf ihn sich über die Schulter. Da war er wieder in seinem vollgeschlonzten T-Shirt. Zurück in der Nacht. Doch er war nüchtern und alleine. Auf seinem Weg.

Er wusste nicht, wie lange Jim Morrison ihn schon begleitete. Aber er dachte nach ungefähr fünf Kilometern, er könnte dem Sänger doch mal eine Zigarette anbieten. Der nahm dankend an. „Dachte schon, ich müsste das Stroh vom Felde rauchen…“

Alle denken er sei tot, sagte ich ihm.

„Wie können sie das denken, wenn sie es selbst noch nicht waren?“

Auf diese Frage hatte ich keine Antwort. Und so liefen wir weiter und rauchten, redeten über die Welt und gute Parties. Er fragte mich, ob ich was zum pennen hätte. Ich verneinte. „Kannst bei mir knacken.“

‚Knacken’ – dieses Wort für ‚schlafen’ hatte ich lang nicht mehr gehört. War mir aber vertraut.

„Cool.“

Jim führte mich noch einige Meilen durch braches Land, einen felsigen Anstieg hinauf auf einen Bergrücken, auf dem nichts war. Auch Jim Morrison war plötzlich weg. Im der Tiefebene unten sah ich die Blaulichter mehrer hundert Polizeiwagen und einen tief kreisenden Polizeihelikopter, der seinen Suchscheinwerfer wohl auf die Stelle richtete, an der meine Karre explodiert war. Was war geschehen? Ich schaute in die andere Richtung. Tiefes Schwarz drang in meine Augen. Und rauschen. Das war das Meer. Welches Meer das jetzt sein sollte, wusste ich nicht. Ich setzte mich auf einen Fels und starrte. Lost in a romance… And all the children are insane… This is the end.

Und so saß er da auf seinem Stein, hatte Freiheit gesucht, und nichts gefunden. Denn was soll es sein, was der Mensch erkennen kann? Der Mensch selbst ist eine trilliardenste Kommastelle in der großen Rechnung des Ganzen. Was er schafft, was er liebt, was er findet ist selbst nur ein Nichts im gemeinen Theater. Ordnungen schiebt er sich zu Recht, Erkenntnisse formt er sich aus seinem kleinen Hirn. Ist der Höhlenmensch weit hinter uns? Auch aus dem Blickwinkel der Millionen Jahre alten Zukunft? Haben wir etwas, außer dem Spaß? Mehr als die Befriedigung unserer Sinne, wie auch immer? Leid und Glück spielen keine Rolle. Früher oder später sind wir Sternenstaub, we are stardust… Du hast das Mädel nicht bekommen, du hast deine Schlüssel verloren, du bist ein Penner, du hast einen schönen Namen, ein Einser-Abitur, du bist Boss, du stirbst zu früh, du lebst zu lang, dir ist langweilig, dir ist grad kalt, du musst kotzen, du bist blind, dein Schmerz fickt dich, deine Freude, dein Leid, dein Jammern, dein Flehen, dein Lachen, dein Schweigen, deine Geburt, deine Brut, dein Denken, dein Aussehen, deine Welt, dein alles ist kosmischer Staub, der Kosmos selbst ist nichts, das Geld, der Wahn, der Schrecken, das Verrecken – alles ist nur in den Köpfen der Menschen, Ameisengewusel.

Ihm war kalt geworden. Er zog sich seinen Pulli an. Diese Gedanken waren ihm zu dunkel. War er doch ein fröhlicher Mensch. Ein fröhlicher Mensch, der zwar die Trauer kannte, den Schmerz ertragen konnte und die Melancholie umarmte, aber kein Mensch, der sich seiner Menschheit komplett entledigen konnte, er war kein Heiliger, der das Leid anderer auf seine Schultern lud, kein Revoluzzer ohne Rücksicht auf Verluste, kein Führer vieler, kein großer Denker, kein großer Beweger, kein Macher oder so…

Er saß alleine auf seinem Stein, den warmen Pulli an, schaute auf die dunkle, ewige Fläche des Meers, schaute in die unendliche Weite der Sterne, rüber zum schönen Mond, dachte an sein Mädel, und unter Tränen wünschte er sich zurück.

Und da war ihm klar geworden, dass er nicht die Freiheit suchte, sondern vor sich selbst geflohen war.

Freiheit entsteht nicht an Orten, sondern in deiner selbst.

12.5.07

Rette oder nerve jede Ameise!

Never mix up 'Strg+C' with 'Strg+V'!!! Was nun folgt, ist ein Schatten seiner selbst.

Und so kam es, dass er sich seiner Situation bewusst wurde. Das war kein Traum. Schmerzlich lange hatte er gebraucht, um das alles so aufzunehmen, um es einfach mal zu schlucken. Doch es war so, er konnte es nicht ändern. Er lag definitiv auf einer kleinen, felsigen Insel im Südpolarmeer, hatte nichts bei sich, außer seinen gestreiften Seemannspulli, seine Ölhose und ein bisschen Seegras überall.
Bodycheck. Erster Eindruck: alles schmerzte, scheiße, es kotze ihn an! Linke Hand: dick wie nochwas, pulsierte zum Takt seines Herzens. Durch die Kälte konnte er es nich fühlen, aber er sah es deutlich: Diese dicke, blaue, linke Hand PULSIERTE...! Das linke Bein war HUNDERTPRO gebrochen. Er konnt' es nich bewegen, und wenn er es versuchte, zuckten nur Stromschläge durch. Ein Zahn war ihm ausgeschlagen, er fühlte die Lücke. Ein Zahn daneben war abgeschlagen, der Nerv lag im Freien. Er nuggelte mit der Zunge drauf 'rum. Das half. Er sah sich um. unten am Wasser waren Pinguine. Keine Kaiserpinguine, die er vom Fernsehen kannte. Die hier waren klein und hielten ihre Flügel lustig nach hinten, wenn sie liefen. Sie waren aufgeregt. Wegen mir, dachte er. Das war ihm aber so egal. Wo, zur Hölle, war er? AUFSTEHEN! war sein erster Apell an sich selbst. Aufstehen, und Ausschau nach seinem Schicksal halten.
Was dann natürlich nicht geht. So mit nem gebrochenem Bein. Er sieht letztendlich ne Kiste da unten bei den Pinguinen, rutscht runter, schürft sich an Scheißmuscheln alles auf, überschlägt sich an einem Hubbel, weil er nicht bremsen kann, freut sich am warmen, eigenen Blut auf kalter Insel, kriegt mit letzter Kraft die Kiste auf. Drin ist Alk, er mach ne Party und besäuft sich alleine auf dem Eiland. Fühlt sich dannn irgendwann toll, unbeschwert und frei. Denkt, er reißt DIE Party überhaupt, liebäugelt sexuell mit Pinguinen und schiesst sich komplett ab...



Ach scheiße...

Ich hab grad 5 Stunden geschrieben, getüfftelt, gewerkelt, die perfekte Kurzgeschichte dargelegt. War selbst zufrieden. Und dann:

Einmal ne falsche Tastenkombination verwendet - alles futsch!

Irgendwas schmeißt mir Steine in alle Wege.

Viel zu viele in letzter Zeit. Alles ist zu viel; jede Handlung endet im Gegenteil


Allways look on the brigth side of life... (pfeifen)

Danke Christin. Because of you I'm still a happy person.

Scheiß Blog. Das war's. Ich schreib wieder von Hand. Das ist sicherer. Goodbye ihr treuen Leser und danke fürs Interesse. Hochachtungsvoll und wieder mit tiefer Verneigung,
euer Onetwonosch

9.5.07

I wear my sunglasses at night


Welke Brühe sifft durch den kalten Morgen am Mittag, während niemand den Strahl der Vernunft zügelt.

Ich versinke im Genuss. Das Studentenleben ist gut. Es ist Dein. Es ist, was Du daraus machst. See the blind man, shooting at the world! Zeit, nichts nimmt sie dir; keiner steht Buback. Rüssel' den Mensch im Moloch des Geschreies. Günther den Weg runter zum Bach der Frische im Antlitz der Kraft - Suppe, Wurstmichel und Gabi schenken Blumen zum 85.! Roll den Rock hoch, bis zur Schamesgrenze; lauf über die Kohlen der Bourgoisie und verbrenn' dir dein Glück. Sieh es aber dann als Gefallen des Schicksals. Jon Lord übte viel. Namibia ist noch weit. Wer sehnsüchtet? Der schwule Knab' am tiefem Wasser. Rudert das Schwein rückwärts, gehts nun bergab? Hoch hinaus fliegt die Schablone, tief hindurch kreist der Rochen, nagt am Knochen der Gezeiten im Bette des Walhalla. Nirwana, im kranken, Sinne ergreift das Gebet der toten Nonne. "Schau!" er sinnt nach Würde. Schlafe doch der Gott im Kopfe des Teufels. Grund Gütiger! Live this life in luxury. But only in the summertime. Knote den Boten an das Boot der Toten. Schick in raus mit der Strömung, mit den Gezeiten, mit der Flut, die da schwindet. Entwirre die Schlacke und genieße die Wärme (in the summertime). Palmen im Mond sprengen alte Gefühle. Liebe ist nur ein Zubrot. Denn love is a battlefield. No war for oil. Schmier' deine Liebe nicht! Der Ölbauer nimmt dir alles ab. Er sitzt am Hebel. Der große Container voller Müll. We are young. Ich sehe die Einfachkeit direkt vor mir. Noch ein paar Schritte durch Wirrwarr, ein paar Hiebe mit der Machete und ich bin durch. Du bist zwar kalt wie Eis, aber eines Tages wirst du den Preis bezahlen. Die Wellen der Lust brechen am Fels in der Brandung. Württemberger. Griechisches Wien ist wie Gnade für Joe... Hey Joe! Wo gehst du mit der Knarre hin? Ich werd' rüber gehn, mein Mädel erschießen... Ich hab sie mit nem andern rummachen sehn! Und jetzt ein wunderschönstes Solo. Jimi Hendrix rules the shit!

'Sarah Bowlarama'... Der Reim geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich wandle auf Sonnenschein. And won't let the sun go down on me. Because das Gras grün und die Sonne warm is. Im Wein liegt dann die Wahrheit, wenn man ein zurückhaltender Mensch war. Großkotze! Aber nicht ins Becken. Wo ist der Strumpf voller Papier? Knet' is wie Knut, nur knapper. Knapper' nich am Bodenbelag, wenn es noch ein paar Pringles hat. FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT BRETT FETT FETT FETT BETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT NETT FETT FETT FETT und wie ich mein KLETT-Mathebuch noch immer im nachhinenein hasse FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT FETT ....

-----------------die Zensoren----------------------------------------------------------------
----------------------------------------------------------------------------------------------
----------------------------------------------------------------------------------------------
---------------------------------------------------Arschlöcher-------------------------------
----------------------------------------------------------------------------------------------
----------------------------------------------------------------------------------------------
------------------------.

Die Polizei hat mich nich bestraft.
Someone said: "He just fucked the system."

24.4.07

Good Will Hunting (Gut Ding will Weile han). Und nicht alle Briten heißen Nick.


Und Algen schlängelten
sich wie Fesseln
um die Seele,
wie Schlangen,
die sich durch Nesseln
um den Waldsee rangelten.

Bitterer Schmerz zerbrennt,
was sich Frieden nennt.

Rassle mit den Ketten,
damit die Nachbarn was zum quasseln hätten,
in ihren Schlafstätten.

Doch der Nachbarn Töchter in fremden Betten,
sich mit netten Briten zum Schlaf zudecken.
Willst du sie wecken,
gar stören, auch wenn sie f***en?

Frag' doch den Dicken,
der in eigenen Stücken Brücken
zur Weisheit schlägt,
damit er selbst in Unpass gerät.

Lass ihn machen,
lass ihn das blicken,
lass du es krachen,
lass ihn einknicken!

Stahl und Glut im Reigentanz,
Qual und Wut am Blumenkranz.
Ende, Over, Out!
Meine Sehnsucht ist verbaut.
Meine Träume sind verstaubt,
alles ist versaut.

Die Hoffnung stirbt zuletzt,
doch sie ist stark verletzt.
Zuviel Blut klebt an meinen Händen
und belebt das Streben
zum einfachen Leben.
Ja - man hat aufgegeben.

Weiße Wolken wabern leise
durch die große, dunkle Scheiße.
Niemand führt das Licht
zur alten Unterschicht.
Keiner hält die Lampe....
nur "Schlampe" reimt sich auf Lampe.
Doch darum geht es nicht.

Ich bin nicht böse, aber müde.
Meine Augen werden trübe.

Mein Hirn schläft ein, versinkt im Wahn.
Ich bin der Ölbauer...
Baby fass' mein FETT an.
Tran.

Warum zerschellt der Satelit
in seiner Umlaufbahn,
im luftleeren Raum
an einem Baum?

Durch die Tränen eines verloren Wunsches
war der Sproß begoßen;
ist er in die Höh' geschoßen.
Reckte dann mit Hast
sein Geäst
zu den Planetenräumen...

Hör auf zu träumen!
Du wirst sonst alles versäumen.

Guten Abend,
Ladies and Gentleman,
die Bullen warten auf mich.

21.4.07

Schwabbel di Wauwau

Ums mal ganz klar zu sagen: Ich hab keinen Bock mehr, diesen Blog zu schreiben. Und weil ich keinen Bock hab, schreib ich jetz mal wirklich nur noch was mir einfällt (wer jetz zusammenhängende Sätze erwartet, sei enttäuscht): Party, nix, Mannheim, Studium, langweilig, Schmerz, Fluss, werfen, Mädels, Boli, Freunde, Ölbauer, Pablo, David, Wein, Angst, Milch, Bauer, PA, Ilse Bilse, keiner will se, Cat Stevens, Michael Jackson, laut und leise, Amsel, Kopf, Ruhe, nichts, Wasser, rote Schorle, Knall, Gig, ICE, Studentenwohnheim, Gelaber, Wassermassen, Freund, Alf, Volume, Taste, süß, Palme, Nuß, Boot, Drogen, After, Himmel, Gestank, Casablanca, Husten, Ruben, Armin, Zyklon B, Erle, Treblinka, Teresienburg, Filter, waschen, Fahrrad, Blume, drehen, warten, niemand, prost!, Lust, Gedanken, Flucht, gesund, alleine, General, Sackgasse, Oma, Wurschdbrot, Frankreich, Atlantik, Atlantis, Indiana Jones, Pferd, schnell, Gallopeldipoppel, Arammsammsamm, Deggelmann, Fett, schwimmt oben, pfeifen, wo anders, nirgends, Fragezeichen, Monster, Kloster, Ruhe, Findung, Atelier, John F. Kennedy, zermatscht, Erdbeeren, Forrest Gump, Cat Stevens, Musik, alles, Universum, blau, Alkohol, Bier, Koma, Mode, Birne, Tod, Ende, aus, ziehen, sexy, wer wohl, Bikini, verstrahlt, Bombe, Gott, Licht, hell, Schnauze, Hamburg, Zukunft, Motivation, aber auch Trauer, Leben, anders, besser, uns, still, Hund, Tier, Gewalt, Knarre, Hoffnung, wann? , niemals!, Sad Lisa, and the wind cries Mary, wish you where here, R, Kuss, Ehrlichkeit, Zugeständniss, Mut, Feigheit, Blamage, Flop, Flow, Post, selten, Sonnencreme, Duft, Parfum, Patrick, Hip-Hop, Basketball, komisch, Christ, lass mich in Ruhe, gut, gehts, mir. Unendlich, alles... bis das der tod euch scheidet.

3.4.07

Die frohe Kunde

Hallo. Ja. Lange hab ich nix geschrieben. Grund: nix passiert. Kein Elan, mir was auszudenken. Schreibblockade. Streik im Brain. Phantasielosigkeit. Taubes Gefühl im Kopf. Virus in der Nuss. Hab das Violincello am Hirnkasten gewusst. Der Dichter&Denker ersetzt durch den dichten Trinker...Stop! So schlimm war's nich. Mir war wahrscheinlich nich langweilig genug, um was zu verfassen.
Aber jetzt kann ich was verkünden, das die Welt ins wanken bringt. DAS Konzertereignis des Jahres: Anna Netrebko singt mit Lordi am 14.04.2007 in... nein, nein... besser...
Turn up the good, turn down the suck:

7.3.07

15 Sekunden Wut

Ich sitze in meinem guten Bus, auf irgend einer Raststätte, weiß nich wo, weiß nich wann. Erinnerte mich grad an Mannheim zurück. An einen Abend ohne Geld in der Tasche, mim Kumpel unterwegs zum Karaoke. Unterwegs an der Fussgängerampel sagt uns einer Bescheid: Party in Quadrat D4. Aber zum Karaoke waren wir schon mit anderen verabredet, konnten das nich einfach sausen lassen. Als Alternative trotzdem die Party in D4 in Erwägung ziehend, zogen wir weiter zum Karaoke. Dort war nix mehr los, zu spät dran. Also rüber zu D4. Eintritt für die Party: 1 €. Guthaben: 67 Cent. Diskussion mit der Kassencrew. Argumentation: Wir wollen noch nich nach Hause, ham nich ganz genug Kohle, wollen aber auch nichts trinken, einfach noch unter Leute, um den Abend in Gesellschaft abschließen zu können.

Sie wollten uns aufs Maul hauen. Wegen 33 Cent. Kein Witz. 33 Cent reichen für einen BWLer aus, eine ganze Palette menschenverachtender Erniedrigungen aus den vordersten Schubladen seines zweizelligen Gehirns zu ziehen, handgreiflich zu werden und sich vor der gesamten vernünftigen, friedvollen, freien Menschheit zum Affen zu machen. Wir sind gegangen. Einzige Chance. Zwei gegen 10. Je weiter aber D4 hinter uns lag, emanzipierte sich mehr und mehr der Gedanke in meinem Kopf, dass ein Missstand nicht behoben wurde. Ich ergriff einen Stein, drehte um, bereit zum Kampf, bereit den Stein durch irgendeinen Schädel zu treiben. Dann erinnerte ich mich an die Worte einer klugen Frau: Wer länger als 15 Sekunden wütend ist, wird ein kleiner Hitler. Augen zu und durch. Einfach nach Hause gehen. Ohne Rechtfertigung, ohne Genugtuung aber mit dem Stein in der Faust. Ich besitze ihn noch immer. Er erinnert mich heute an meine 15 Sekunden Wut; mit solcher Pedanterie, dass ich an ihm immer wieder üben kann, kein kleiner Hitler zu werden. Wenn ich ihn ansehe, schaue ich meiner dunklen, unnützen Seite in die Augen, die nur Mannheim zum Vorschein brachte. Denn Mannheim und seine Uni lehrten mich vor allem eines: Aggresivität. Und die brauche ich nicht, hab ich nie gebraucht, braucht niemand nicht. Unnütze Scheiße, die Freundin vom Neid, die Tochter vom Hass, die Schwester der Eifersucht, der Feind der Zufriedenheit, der gesunden, kreativen Melancholie, der Besonnenheit und der guten, alten Liebe.

Ich sitze in meinem guten Bus und hör' Cat Stevens "Sad Lisa" rauf und runter, und erkenne den Triumph des Friedens. Der Friede ist des Menschen höchsten Gut. Ohne ihn war der Mensch die längste Zeit Mensch gewesen.
Spielt die Geige, singt, und ihr nützt den Tag. Vielen Dank Dir für die Post, die Musik wird mich immer begleiten. In meinem blauen Bus. In meinem Kopf. Und somit auch der Friede.

5.3.07

...ungewiss ist alle Wiederkehr

In Berlin bin ich stehen geblieben. Ich sag's gleich: es is zuviel da passiert. Ich kanns nich wirklich in niedergeschriebener Sprache resümieren.

Aber natürlich is der Stress erstmal weitergegangen. Ne "Morgenrot"-Barhexe mit großen, gelben Zähnen im Genick wollte uns den Schädel einschlagen, dann is sie geplatzt.
Im Keller war es besser. Die Menschen dort, zusammengepfercht, benebelt von unsäglich dichtem Party-Edelgas, brauchten genau eine musikalische Kettensäge wie die unsere, um am letzten Zipfel ihrer stumpfen Menschlichkeit gekitzelt zu werden, was den ganzen Körperaparat wieder in Wallung brachte. Rock n' Roll, dreistimmiger Gesang und Beatboxing, Alkohol, Sauerstoffunterversorgung, Dunkelheit, Sex, Schlitten, Peruaner, benannt nach deutschen Philosophen, aus den Anden mit den Skiern abgefahren, bis nach Berlin, schöne Frauen im Gepäck, die aber nich reden, nur nuscheln können, Shakespeare, auch eine Frau mit schlechter Laune und großen Augen (und leben tut sie/er auch noch), hingerissene, sehr gut unterhaltene Spanierinnen, Tiere auf allen Straßen, Schweine wollen Hühner fressen, wie Lemminge stürzt sich die Berliner Kindheit in all ihren Einzelteilen in die Tiefe - naja eigentlich nur in ein Tiefchen, in Berlin gibt es keine Berge, nur Erhebungen und Senken. Eigentlich heißt dass da auch Kreuzhügel und Prenzelhubbl. Das darf nur keiner wissen... Deswegen muss man ja auch sein Gehirn abgeben, wenn man nach Berlin rein fährt. Das schwimmt dann im Haus der einsamen Frauen im Sud der Zufriedenheit bis man wieder geht. Man kann aber auch eine Erklärung unterschreiben, dass man über den Zeitraum, den man im dicken B vergammeln will, soviel saufen und kiffen wird, dass jegliche Erinnerung an Kreuzhügel und Prenzelhubbl im Kochtopf der Droge zu Drogenerinnerungslückenpampe zermanscht und vor die Linse des inneren Auges geschmiert wird. Woher ich das alles weiß, warum ich nich Soße im Kopf bin?
Der Trick: Ich hab dran gezogen, aber nie inhaliert!


Hier in Mannheim tut sich auch was. Die Stadt hat versucht sich bei mir einzuschleimen. Fremde Menschen haben mir Komplimente gemacht, fremde Menschen haben dem David und mir einfach so ne Schnitzelplatte mit Pommes, zwei Stangen Zigaretten, eine Methusalemflasche feinsten Champangers und 10 Euro geschenkt. Aber ich lass' mich nicht bestechen. Uni hat wieder angefangen, Undercover-Bullen wüten in den Straßen, durchsuchen alles und jeden, der sich die Schuhe falsch gebunden hat oder nich nach BWL-Spack aussieht, und es stinkt hier. Deswegen hab ich mir diesen Bus hier gekauft: Für meine letzten 40 Cent, meine Pfandflaschen und einen eingeschweißten Marmorkuchen ausm ALDI. Ich hab alles an Bord, sogar Roger, meinen selbstgezüchteten Apfelbaum. Ich hab' mich auf den Weg gemacht, die Welt zu umrunden. Erstmal hoch nach Hamburg, eine Crew anheuern. Mein Bus mit den grünen Zauberrädern kann ja auch nicht kaputt gehen, weil er schon 25 Jahre in der Sowjetunion hinter sich hat. Er is so abgehärtet, er braucht nichmal mehr Sprit zum fahren. Man muss nur alle 1000 Kilometer die russische Hymne anstimmen und er läuft weiter.
Mein kleines Zimmer und der Ausblick auf den Orinoco werden mir tatsächlich ein wenig fehlen und dass ich kein Gastgeber mehr sein kann, ansonsten bin ich froh, die Kurpfalz als kleinen Punkt im Kunterbunt der Vergangenheit verschwinden gesehen zu haben. Der "Raport: Mannheim" is tot. Der "Raport: Freiheit" erwacht. Machs gut, Süddeutschland, machts gut, Freunde, es reißt euch keiner den Kopf ab und man lebt nur einmal, in diesem Sinne: Dance 'til the end...

8.2.07

Es geht anders.

Die Erkenntnis hat mich gefunden. Eine Woche Berlin, anstrengend wie sau, aber mit enormer heilender Wirkung. Die Schlacke der eingeengten Denk- und Lebensweise, die an meiner Mannheimer Kack-Uni überall auf den Fluren verschlonzt wird, die einem das Hosenbein hochkriecht, unterm Hemed bis nah ans Hirn, is im Berliner Wind der Freiheit verweht. Man hört es so oft, überall wirds totgequatscht: Lebe dein leben, mach was du willst, etc... Aber ein altes russisches Sprichwort besagt mit der ehrlichen Reinheit eines milchgefilterten Vodkarausches: Sprich nicht darüber, was du tun willst; sprich über das, was du getan hast. Und ich war in Berlin. Ich hätte da bleiben sollen. Und aus mir sprich nicht die verblendete Euphorie eines fremdtrunkenen Heimkehrers, nein, ich hab die Erfahrung ziehen lassen und mit einem gewissen Abstand schaue ich darauf zurück. Und für mich haben sich die leeren Phrasen der tausend Stimmen, alle nach einer Freiheit schreiend, mit dem einzig wahren Inhalt gefüllt. Nicht der Inhalt des Nachvollziehens, nicht der Inhalt des Ausmalens, des Mitläufertums, des Nachäffens, nicht des leeren Inhalts Inhalt willen; der Inhalt meiner Worte nährt sich aus Erlebtem. Ich erlebe Mannheim jeden Tag, und die Stadt, einst Kultur-Obermetropole, vor vielleicht 200 Jahren oderso, verfällt dem dreckigsten Spießertum. Und als Keimzelle diesen Übels muss die Universität genannt werden. 10 Millionen Anzugträger die nur Tabellen fressen und sich ihre Triebe mit Geld und Porsche befriedigen, überfluten den Campus. Überfluten hört sich schon zu frei und wild an, eigentlich addieren sie sich nur herum, multiplizieren sich durch die Stadt, kalkulieren durch die Kneipen um sich ein (AHHHH!!!!!) "Latte Matschiaddo" zu dividieren und anschließend bei Gesprächen die sich nur aus Einsen und Nullen zusammensetzen, gemeinsam eine Anglizismus-Brainpool-Get-Together-Meeting-Business-Mindfucker-Séance abzuhalten, in der der Mensch vor dem Kapital kapitulieren muss. An diesen Leuten is nichts echt oder komisch. Und weil ich das weiß, is es mir scheißegal. Und ich weiß auch, dass ich dieses sinkende Schiff verlassen muss. Meinetwegen auch als Ratte, aber bitte als Erster... Und dann seh ich mit nem Blick über die Schulter, wie sie sich selbst gegenseitig subtrahieren, wie sie in einem klitzekleinen Lichtblitz verglühen und ich sitz in der Sonne mit der Klampfe in den Händen, drauf pfeifend. Ohh ja, natürlich! In hundert Jahren wird bestimmt die Weltöffntlichkeit sehr angetan sein von den ganzen Spacken: "Schau mal hier, wie wunderschön romantisch der hier diese Excel-Tabelle ausgefüllt hat... Bezaubernd!" Sicherlich...
Vom Lande kommend, dachte ich mir: Ha, Stadt is Stadt. Ne, ne... Falsch gedacht. Es is schade um Mannheim und seine schönen hässlichen Ecken, aber Mannheim hat einen Tumor in sich, der unaufhörlich Metastasen streut. Das Leben versiegt. This is the road to hell.

Berlin.

Mit der Mitfahregelegenheit über mitfahrgelegenheit.de kam ich montags hin. 25 €, fairer Preis. Erster Eindruck: Kälte. Aber als ich am gleichen Abend mit meinem Otro Fako erstmals durch Kreuzberg 36 gezogen bin, ins Rauchhaus, zum Penny, der bis 22 Uhr offen hat, in der WG in der Oranienstraße und bei der ersten Jam-Session hab ich wohl gefühlt. Am nächsten Tag auf dem Fahrrad auf den Kreuzberg hoch, abends lecker Maultaschensuppe und crazy Cuscus-Salat, nächste Jam-Session. Dann am Mittwoch nochmal mit dem Bike alleine (weil auch Fakos mal an die Uni müssen) durch die City, in die edle Musikhochschule, in der die Schüler in bunten Schaukästen mit dem Teufel um ihre Seele spielen.
Und dann hat Berlin losgelegt. Wir sind erst rüber zum Prenzelberg, zur Frau mit der Mappe, haben uns eingesungen und haben dann gegenüber vom "Morgenrot" Stellung bezogen.

Straßenmusik.

Um 0 Uhr gings los. Gegen die Kälte haben wir angeschrien und verbeilaufende Passanten in unsere Lieder reingewurschtelt. Es hat nich lange gedauert, bis sich die ersten Groupies vor uns versammelt hatten. Mit glühenden Augen, schmachtend und im Herzen bewegt. Unverhofft ist Robert Stadlober vorbeigelaufen; er wurde auch musikalisch bedacht. SCHAUSPIELER! Du siehst gut aus, gut aus... Als der erste Schnee sich zu uns gesellte, kam ein Reporterteam von der Berliner Morgenpost daher. Bilder gemacht, Interview, Schnickschnackschnuck. Dann kam die erste Mordrohung. Wir haben musikalisch nach Feuer gefragt, als einer das Fenster aufriß, dreimal mit ner .5 Desert Eagle in die Luft schoß und uns mit dem Wortlaut ICH GEB EUCH GLEICH FEUER WENN IHR NICH DIE SCHNAUZE HALTET!! von unsrer Stage jagte. Dann 20 Meter weiter, nach ungefähr einem Takt, wurde uns mit der Polizei gedroht. Wir waren auf der Straße nich mehr sicher. Gut, es war spät, eher früh, auch manche Berliner müssen schlafen. Also rein ins "Morgenrot". Weg vom Stress. Denkste.

To be continued....

1.2.07

Es is zuviel

Ja, sorry.
Mein Hirn arbeitet noch. Berlin kann man nich in drei Tagen verdauen. Aber bald. Habt Geduldt...

21.1.07

Ins Wasser fällt ein Stein - nicht.

Mannheim, Jungbusch. Seit vier Monaten sind wir im Dschungel. Ich zähle die Tage. Noch fünf Jahre; verdammt... Warum hab' ich mich nur freiwillig gemeldet. Die 'Grunts' ham von Anfang an Witze gemacht. Ein Bursche aus gutem Hause sollte nich an so einem gottlosen Ort sein. "Warum bist du nich zu Hause am College und studierst was Kluges, bei deim Mädel, das auf dich wartet? Du musst ein Vollidiot sein..." Man darf sie nich falsch verstehen. Es sind einfache Burschen, roh wie ne Flasche Wodka, aber sie haben eine gute Seele an der ein goldenes Herz unten dran hängt. Manche sind schon eine halbe Ewigkeit hier, ham alle viel gesehen und viel mitgemacht. Sie sind alle müde. Müde und dumpf. Der Jungbusch verändert einen. Langsam aber sicher wird man verrückt oder taub. Entweder hat man dauernd Schiss, richtigen Schiss, oder man langweilt sich zu Tode. Jeden Tag der gleiche Scheiß... Mit feuchten Klamotten, die bei hier nie trocknen, vollgesogen mit Dschungeldampf und Schweiß kleben sie an der Haut, mit schweren Rucksäcken voller Steine, oder was der Sgt. einem sonst so schleppen lässt, mit Blasen an Füßen in Stiefeln, die man nie ausziehen kann, weil irgend ein Witzbold mir im Schlaf einen vietnamesischen Seemannsknoten in die Senkel gemacht hat, mit roten Feuerameisen im Nacken, überall, kein Schlaf, kein Bett, scheiß Essen, scheiß Scheiße.
Charlie war ruhig gewesen in den letzten Tagen. Die Kämpfe ham sich wohl mehr nach Norden verlagert, Fluss aufwärts, ab und zu kommt ein Boot zurück, bei uns vorbei, mit lebenden Leichen an Bord, mit Männern, die zu tief drin waren, sie waren zu nahe am Nichts. Wird nichmehr lange dauern, bis sie uns auch da hoch schicken. Dann isses vorbei.
Ich geh oft zum Fluss runter und versuch Steine rüber zu werfen. Sind knappe 45 Meter, ich schaffs fast. Es is wie meditieren, es tut gut, ein Ziel vor Augen zu haben.
Aber gestern is was passiert. Immer so gegen die Mittagszeit finden sich die Komorane am Fluss ein. Die eleganten schwarzen Vögel fliegen knapp über dem Wasser. Immer zu zweit. In Formation suchen sie mit ihren scharfen Augen nach Fischen im Dreckswasser, ham sie ein gesichtet, wechseln sie die Elemente. Sind verteufelt gute Taucher.
Als wieder zwei ankamen, hab ich einen Stein nach ihnen geschmissen. Sie waren gute 30 Meter weg, ham sicherlich 50 Sachen drauf gehabt - keine Chance die zu treffen. Ich hab aber getroffen. Hab einen voll an der Seite erwischt. Er is noch ein Stück weitergeflogen, dann wurde sein Flügelschlag unkontrolliert. Er is aufs Wasser geklatscht und hat noch die Kraft gefunden, abzutauchen. Mir is das Herz stehen geblieben. Ungefähr eine zehntel Sekunde hab ichs nich geblickt, dann hab ichs nich fassen können, kurz hab ich mich gefreut, dass ich tatsächlich getroffen hab, was in meinen Augen das Unwahrscheinlichste war, dass ich je geleistet habe, ja, sogar was sich je vor meinen Augen abgespielt hat. ONE SMOOTH MOVE. Natürlich wollte ich den armen Kerl treffen, hab ja den Stein in seine Flugbahn geworfen, aber ich wollte ihn nich getroffen haben. Als mich das Mitleid und das schlechte Gewissen mit voller Wucht erschlagen wollte, isser wieder aufgetaucht und weitergeflogen. Zum Glück. Und zum Glück hats der Bolivianer gesehen. Zurück bleibt die verwirrende Erkenntnis, dass ich nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit nie wieder in meinem Leben einen Vogel im Flug mit einem Stein treffen werde. Oder, dass man sich überlegen sollte, was man probiert, es könnte ja auch klappen. Anders wie Homer Simpson einst sprach: "You tried, and you failed. So what did you learn? Never try!", aber das Fazit bleibt das Gleiche. Und als wär der Tag mit diesem Ereignis nicht schon unwahrscheinlichkeitstrunken genug gewesen, hat sich am Abend der Chef meiner Lieblingsspelunke ans Pissoir neben meinem gestellt. Ich hab sowas gesagt wie: "Schöne Kneipe." Er: "Kommst du aus Mannheim?" "Ne, Nordschwarzwald." "Calw?" "Ja." "Meine Schwester is Lehrerin dort." "Ich hab vorhin ein Kormoran per Hand ausm Himmel geholt, würde mich nich wundern, wenn deine Schwester meine Mutter is"

Die Welt wird immer kleiner. Mein bulgarischer Kamerad kennt meinen Onkel aus Unterlengenhardt und mein Wirt kennt Calw. Und ich treff den Vogel, als wär er einen halben Meter von mir weg gewesen.

Kurz: Ich arbeite jetzt bei Europcar neben dem McDonalds, muss saubere Autos putzen und rumfahren und ich geh morgen (Montag) um 10 Uhr früh für eine Woche o. ä. in die Bundeshauptstadt.

19.1.07

Tief

Über den Landen tobt der Sturm. Sylt versinkt im Meer. Diesen Winter gibt es keinen Schnee; was haben wir getan? Globale Erwärmung, Pinguine verzweifeln, Möwen irren umher, der Golfstrom kämpft gegen die kalten Wassermassen, einst Eis der Polkappen, an, Automobile fliegen am Fenster vorbei, Reporter überhitzen vor laufenden Kameras, laufende Kameras schmilzen, Experten beschuldigen, Witwen flehen, Tiere blöcken, Satelliten kreisen und senden falsch, Gewässer schwillen, Religionen werden in Endzeitstimmung geboren, N24 berichtet non-stop, Wellen schlagen, Gischt peitscht ins Gesicht, Plastiktüten wirbeln, Schwäne sterben, wers noch zur Tanke schafft, kauft sich einen letzten Schnaps, geworfene Steine segeln schief, Windrichtungen gewinnen an Bedeutung, Fahrradfahrer lenken dagegen - umsonst, Windstärke 12, Rollladen rütteln, hin- und hergerissen, der Raucher entzündet sein 14. Streichholz - vergebens, eine letzte Zigarett' bleibt ihm verwehrt... Er wird vom Scheunentor erschlagen, in München steht ein Hofbräu-Haus, holländische Schiffer treiben gegen steile Klippen, die Schotten schließen sich, der Kohlebunker steuerbord steht in Flammen. Kyrill sorgt für Unterhaltung im Bundesgebiet. Ich werde diese gefährdete Stadt, die sich da Mannheim nennt, verlassen. Am Montag mach ich mich auf nach Berlin. Noch sitze ich am Fenster und betrachte die Panik. Ein vorbeitreibender Eisberg böllert einen Salutschuss in den Himmel, kurz bevor er untergeht, bald ist es vorbei.

Der Mensch kehrt in seine unverdiente Ruhe zurück. Das Erwachen aus der Endzeitstimmung ist ernüchternd. Zurück in allgemeiner Langweil', der Mensch rückt auseinander, der blöde Stoiber wird wieder wichtig und der Oscar erst recht. Nichts geht wirklich zu Grunde, nichts findet sein Ende, alle haben gejammert, fast niemand zu Recht. Nur die Zirkustiere. Und die können nur tröten und wiehern... Vielleicht sollten alle mal ihren Schrank anschauen, um wenigstens eine Konstante des Lebens zu erkennen.

Und nicht zu vergessen: Alles ist eine Frage des Blickwinkels... Mit einem Whiskey und einer Zigarre kann man auch eine Naturkatastrophe gelassen genießen.

16.1.07

Walk on the wild side - always


Um es für alle klar zu machen: Raport (Mannheim) bedeutet nich "Rap - Ort" Mannheim. Nein, "Raport" ist ein eigenes Wort, ähnlich dem geläufigeren "REport". Natürlich, Mannheim ist, wie man sagt, die Pop-Stadt Deutschlands, und somit bestimmt auch ein Rap-Ort, aber ich beziehe mich nicht darauf.

Und weil dieser Blog "Raport: Mannheim" heißt, berichte ich auch nur und ausschließlich aus Mannheim. Zwischen den Jahren war ich aber im Schwarzwald. Back in Black Forrest. Also gähnte hier, alleine und drei Wochen lang, Leere.

Mannheim hat mich wieder.

Ich hab keinen Bock, was zu schreiben. Mir fällt nix ein. Das neue Jahr 007 - toll...

Der Saddam ist tot, und vieles andere auch.

Mein Handy ist gesperrt.

Bogart ist gut.

"The roaring Twenties" ist ein guter Film.

Es lebe die Prohibition.

Speak easy. Flüsterkneipe.

Erstaunlich, meine Pflanzen sind nicht gestorben. Die Essensreste haben keinen Schimmel angesetzt. Und sonst hat sich auch nichts verändert. Ich finde das erstaunlich. Die Erde dreht sich mit über 1000 km/h am Äquator, zudem noch um die Sonne; und die Sonne dreht sich mit all ihren Planeten um den Mittelpunkt der Milchstraßengalaxie. Die Milchstraße steht bestimmt auch nicht still im All. Alles zusammen gerechnet, bewegt sich mein kleines Zimmer mit 3171823317,2222 m/s durch den Kosmos. Und nichts hat sich verändert. Auf molekularer Ebene. Auf menschlicher Ebene auch nicht. Nur der Geist reist weiter. Er lässt zurück, was ihm nichtig erscheint. Aber was ihm nichtig erscheinen sollte, ...

GOD GAVE ROCK'N'ROLL TO YOU

Fahr' zur Hölle, wenn der Weg dein Ziel ist. Denn der Weg dort hin ist bestimmt ein guter.

Wo sind all die Indianer hin? Ich kann es dir sagen, du Romantiker: Vertrieben, erschossen oder dem Alkohol verfallen. In Reservoiren wie Abwasser.

You can't always get what you want, but if you try sometimes you get what you need.

Für die Freiheit nehme man ein Mopped und sich selber mit. 4 Euro für Kippen und 20 für Sprit. Einen Stift für Gedanken, ne Säge für Schranken, und dein Hirn lässt du zu Hause, in deiner Gegend, wo es vielleicht noch jemand gebrauchen kann. Aufm Land oder in "a little town".

Es ist besser, du hast einen treuen Feind, als gar niemanden.

Hör auf so schlau zu reden... Da kommts mir hoch.

Die Wahrheit liegt im Wein, but I'm changing, arranging, changing, everything....

Ich hab mein Aftershave vergessen. Ich werd mich vorsichtshalber nicht mehr rasieren. Sonst entsteht nach der Rasur ein Loch im Raumzeit-Kontinuum. Meine Pflanzen werden zu Erde zerfallen, der Schimmel, mir aus 17 Tellern ins Gesicht springend, wird versuchen mich in politische Debatten über die Stiober-Nachfolge zu verwickeln, um dann langsam und unauffällig meinen Platz einzunehmen. Und die Sonn' wird sich durch die Erde drehen, im Schlepptau: die Milchstraße.

Schillerstr., Schlossallee, Paulinenstr., Schulstr., Hafenstr., Burgweg, St. André-Str., Rennbachstr.,... alles Quatsch. Ich wohne in der Milchstr.
Im einzigen Haus, das da so steht. In einer ziemlich großen WG. Über 6 Milliarden Leute teilen mit mir eine Toilette. In der Küche is es nich so schlimm, weil vier Herde.

It's not in the way you say you care... Hold the line...something isn't always on time.

Trawler. What do we do with the drunken tailor?

Hot town, winter in the city.

Kickin' around on a piece of ground in your hometown.
Waiting for someone or something to show you the way.

Noone told you when to run, you missed the starting gun.

And you run, and run to catch up with the sun, but it's sinking
and racing around to come behind you again.
The sun is the same in a relative way, but you're older
Shorter of breath and one day closer to death.

Yeah, just this flight tonight.

Kurz vor drei. Es nächtigt gewaltig. Träge wälzt sich die Hand über die Tastatur. Beiläufig fällt ein Finger schwer auf eine Taste. BUMM. Man sollte sich nicht wundern, dass die Katze da die Löcher im Fell hat, wo zufällig auch ihre Augen sind. Ich hab mal eine Ameise am PC ne Mail schreiben sehen. Sie musste erst aus kleinem Geäst eine Hebelfunktion errichten, ihre marginale Kraft soweit potenzieren, um den mechanischen Vorgang des Tastendrucks zu ermöglichen. Nach zwei Wochen stand da geschrieben: "H". Das "H" war schwer gewesen, weil groß geschrieben. Das kleine "a" kam schnell nach. Dann ein, zwei "l" -ruckzuck- PAM PAM; dann ein Windstoß... Und der kleine hölzerne Kran flog davon. Die Ameise rutschte zwischen "l" und "ö". Ihre Fühler kreisten, und die Beine auch, herum. Ich war nur froh, dass ICH nicht in eine Riesentastatur gefallen war, dass "I need a hero" mit ganz vielen Trommeln im Radio kam und dass ich bis heute nicht aussehe, wie Theo Waigel. Tschüss.


20.12.06

Ich halte die Stellung






Viel gelernt. In der Bar. In der Bib. Von Sonnenauf- über -untergang bis nachts und Dämmerung aus Bullauge Drei.

Freundlich: Mannheim bei bestem Krakow-Wetter kurz nach Lit.Wiss.-Klausur.

Die Mission ist beendet. Ein halbes Jahr ist vorüber. Zusammen haben wir geforscht, gelebt und zuletzt gelitten. Doch die Aufgaben wurden bewältigt, Mission-Controll bestätigte letzten Freitag das erfolgreiche Ende des Semesters. Die meisten sind schon gegangen. Das enge Zeitfenster und Heimweh rief einen Großteil meiner bulgarischen Kollegen schon zur Mutter Erde zurück.

Alleine in der Basis "Am Verbindungskanal".
Wie zu Beginn meines extraterrestrischen Aufenthaltes sind die Flure verlassen. Doch dieses Mal hat die Stille keinen Platz. Mit voller Lautstärke spiele ich auf der Orgel gegen sie an, so dass selbst das schweigsame Vakuum der Weltenräume zu klingen beginnt. Mit den Klausuren im Rückspiegel, mit zwei Monaten der Freiheit vor mir, genieße ich diese letzte Zeit in den 12 qm, die mir stets ein gutes zu Hause waren. Doch auch ich muss diesen Weg antreten, meinen Mond verlassen und in den Schwarzwald zurückkehren. Aber jetzt noch nicht. Ich tanze noch eine Weile den Tanz der Exklave, singe das Lied der Sterne und trinke mit meinem Verstand um die Wette. Ich höre die Lieder der guten, alten Zeit, erledige Dinge, die ich einstmal schönen Mädchen versprochen, aber nie in Angriff genommen habe. Ich laufe mit einem Sechstel meines Erdengewichtes über eine plane Fläche; in ihrer Weite mit meiner momentanen Zufriedenheit Hand in Hand über graue Hügel vor schwarzem Himmel. Nach Wochen der Anspannung, der geistigen Qual, kann ich nun denken, was ICH will. "Das ist ein ganz kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Sprung für einen Menschen, vor allem für MICH." Ich schicke Steine mit einem entspannten Wurf aus dem Hangelenk, jenseits meines Blickfeldes, fahre mit dem Mondmobil über Staub und Stein - mit 6 (mindblowing) km/h. Meine wassergekühlte Unterwäsche blubbert. Und manchmal fragen mich Möwen nach dem Weg. Ich habe in fünf Jahren Tankstelle gelernt, Wege präzise zu beschreiben, doch die reisenden Möwen lassen sich immer leicht zu einem Bourbon überreden. Dann erzählen sie einem vom Neptun, von der Sonne und vom Meer. Sie haben eine blühende Phantasie. Möwen.

12.12.06

Ein alter Text aus den Untiefen meiner 120GB-Festplatte

Die Grundordnung

Steht man auf dem Hügel und schaut ins Tal, wird man dort, im Schatten, die Umrisse einer riesigen undefinierbaren Struktur erkennen. Unweigerlich wird sich der Wunsch manifestieren, den Blick in die entgegengesetzte Richtung zu wenden.

Nach einer Drehung um 180° erlöst der Anblick des weiten Meeres den gequälten Geist von seiner Irritation. Selbst Astronauten in ihren Umlaufbahnen sehen das Meer. Das ewig weite Meer. Das Meer ist XXL. Größer als das Meer ist nur der Verdruss der Menschen, erkennend, nicht das Größte zu sein.

Das Wasser, die Wiege des Lebens, erzählt von der Erstehungsgeschichte des Seins. Der wahre Sinn des Lebens wird sich nicht in, von Menschen geschaffenen, Werken finden lassen. „Lass die Wasser sprechen“
sagte der Vogel und wendete sich um 180°. Er hörte zu, verstand, und flog davon.

Die anderen Wesen erstarrten in Ehrfurcht. Sie verstanden den Vogel. Nach seiner unmissverständlichen Demonstration des wahren und zugeordneten Seins entwickelten sich die Wesen der Welt. Jedes ging seinen Weg, jedes fand einen Platz. Denn das Meer ist weit.

Doch im Schatten hatte er verschlafen. Der Mensch hatte den Ruf des Vogels nicht vernommen. „Leck mich doch am Arsch!“. Er drehte den Herd auf 7000 U/min hoch, ließ den Rödler angespannt auf 3 bis 4 Wolle rüber, knallte den Räumer in die Prädulie und pushte die Fräse voll in die Leisten. „Na warte...“

20.000 PS flanierten über den roten Teppich. Der zuständige Supervisor staunte nicht schlecht als Manfred
mit gezückter .9er Uzi dem frisch verlobten Schauspielerpärchen die Entscheidung den Weg zu räumen und ihm die Aufmerksamkeit der angetretenen Paparazzi zu überlassen sehr leicht machte.

Gefragt nach der roten Rose, und erwartete man auch ein Lächeln, blieb ihr Gesicht völlig entspannt. Weiche Linienführung, umschmeichelt von blauem Rauch einer edlen Zigarett' die sie in der goldenen Box aufzubewahren pflegte. Der rote Mund...

Die Wand zerbarst. Zwanzig trollige Clowns der Hamburg Mannheimer sprangen im Zick Zack durch den Staub, ihre lustigen Palmwedel als Besen missbrauchend. Ein Schwarm heißer Cheerleader folgte, ihre lustigen Puschel als Besen missbrauchend.

Sie brach in schallendes Gelächter aus. Tränen rannen ihr über die weiche Linienführung. Asche auf ihrem Knie. Die Haare zerzaust, die Perlenkette sah noch gut aus. „Entschuldigen Sie.“ Sie atmete tief durch legte eine neutrale Mine auf.

Er legte sich auf eine feindliche Mine drauf und ging flöten. Das Lied vom einsamen Hirten klang in lieblicher Ästhetik vom Hügel hinan. Die Wucht der Explosion überschritt seine Schmerzgrenze und schlafen konnte er jetzt auch nicht mehr.

Der einsame Hirte trieb seine Schafe eigenhändig vom Hügel in die einladend fruchtigen Ebenen des Tieflands. Seinen Hund hatte er im letzten Krieg eingebüßt. Schreckliche Geschichte. Er hatte es sich nicht träumen lassen, dass Hunde tatsächlich als Helden im Glanze des Mutes und der Aufopferung ihren Weg zu den Sternen fänden.

Die Straße ist lang und ohne Kurven. Mit einem schnellen Auto kommt er an. Tolle Reifen, klasse Rückspiegel, super Antenne, dufte Karre einfach. Die Tussi sagt noch zu ihm das es keine Straße auf Gottes großer weiter Welt gibt, die ganz ohne Kurven auskommt, als der Hobel die Leitplanke durchbricht.

„Was für eine Sauerei.“ Der Chief Detective nimmt seine Sonnenbrille ab. Mit dem Zeigefinger schnippt er die Rückstände eines menschlichen Auges vom Knie. „Den hat es ja ganz schön zerfetzt.“ Der Detective stand auf und bog seinen Rücken durch. „ Ach ja...., die Jugend von heute, die ham einfach kein Respekt mehr vor Edward Newton.“

Sobald ein neues Thema beginnt, schaltet der Mensch auf RESET ohne das Vorhergehende zu vergessen. Er denkt einfach weiter ohne.

Die liebliche Bootsfahrt endete aprupt, als der Fluss eine steile Biegung nach unten machte. Das Brautpaar knallte händchenhaltend aus neunhundert Metern Höhe auf einen neckischen Felsen.

Karle johlte. 2:0! Wer hätte das gedacht.

11.12.06

Ein steiniger Weg







Als erstes mein Studentenwohnheim am Orinoco-Delta, dann der Jörg und ich im Lerntempel um für das Bestehen der Klausuren zu beten, und zudem noch der Abend mit dem Dave, an dem mich ein Professor der Musikschule einschüchtern wollte, weil ich in einer Schülerbandkonzertpause auf die Bühne gelaufen bin, dem Publikum zugewunken, mich an den "Steinway" gesetzt hab und was spielen wollte. Da kam der aber angerannt, nach zwei, drei Akkorden ... stinksauer. Auf die Frage, wer er denn eigentlich sei, is er noch saurer geworden. Ich habe dann abseits der Bühne noch eine kleine Weile mit ihm geredet, er war ein bisschen unsicher, hat aber in ruhigem Tonfall kleinlaut zugegeben, dass er Angst vor dem Klavierbeauftragten habe und dass es wegen dem nicht geht, das jeder, der will, auf einem 150'000 € Klavier rumklimmpert. Warum das traumhafte Klavier nicht benützt wird, wollte ich wissen, gerade in so einer Umbaupause, warum den JETZT keiner vorne sitzt, hätte ja nich ich sein müssen, und was Schönes spielt, anstatt Plastikmucke vom Band laufen zu lassen. Da ist er weggelaufen, und hat leise geweint, weil er sein Scheitern als Programmdirektor des (sehr schlechten) Konzertabends und als Professor der MusikHOCHschule einsehen musste.

Wir wollten diesen traurigen Ort verlassen, aber auf eine Eingabe vom Davide hin, sind wir vor dem Ausgang im Foyer links abgebogen, eine Treppe nauf. Ein menschenleerer Flur, Stille und eine offene Tür. Dahinter war das, was oben auf den Bildern zu sehen ist. Ein kleiner Konzertsaal mit Bühne und noch einem "Steinway"-Flügel. Unbewacht.

10 Minuten. Länger wollte ich mein Glück nicht strapazieren.

23.11.06

Erkennt was wichtig ist!





Danke Boliviano, dass du hier warst. Danke Dave, dass du nie gehst. Danke Otro Fako, dass du die Musik verstehst.


Und endlosen Dank an Dich, das Du hier bist.
Niemand geht für immer.
Und wenn, dann kommen wir alle nach und treffen uns im Großen und Ganzen. Früher oder später. Bis bald in der Toscana, in tiefer Verneigung und Trauer, sprachlos, euer Janosch.

16.11.06

Von Musikmeistern, Schamanen und Idealen





Das Klo tut mir Leid.

Moment! Vor dem Fenster steht ein Asiate und dirigiert. Nein, er läuft im Kreis und dirigiert. Und so wie ich das sehe, dirigiert er Beethovens dritte Sinfonie in Es-Moll Op. 55, die "Eroica". Grad schläfert er aber (für meinen Geschmack) das letzte Drittel des 'Allegro con brio' zu sehr ein.
Und da sag nochmal einer, die Asiaten seien Perfektionisten. Naja, nobody is perfect... Vielleicht is er ja im Karaté besser... Ich schrei' mal was raus, werd' im zu Kampfe herausfordern, um unser Können zu messen. Von meiner Deutschdozentin Frau Scheidner weiß ich, dass "Tschüssi" auch ein chinesisches Wort ist, und auf Deutsch "Geh' und stirb!" heißt. Kein Witz. Das probier' ich jetzt mal aus, da wird er bestimmt sauer.


Was soll man dazu sagen? Er hat sich verbeugt und ist gegangen. Armer kleiner China-Roboter...Das hab ich nicht gewollt.

Schon zwei, die mir heute Leid tun. Genug.

Als letztes noch eine Impression von hinter meiner Bude. Das sind diese magischen 20 Minuten am Tage, wenn die Sonn' die ewige Dunkelheit des arktischen Winters anzweifelt, aber nicht überzeugend genug argumentieren kann. Langsam wirds brenzlig. Ich habe mit Tränen in den Augen meinen letzten Schlittenhund verspeißt, um bei Kräften zu bleiben. Weiß nicht, wie lange das noch auszuhalten ist. Der Salomon hat seit zwei Monden sein Zimmer nicht mehr verlassen. Manchmal dringt beschwörendes Gemurmel in fremden Zungen unter seiner Türschwelle hervor. Dann: gellendes Lachen, lautes Knallen, Schwefelgeruch... Jeder ist misstrauisch, schläft mit dem Säbel unter dem Kopfkissen... Lagerkoller, Skorbut und Irrsinn verbreiten sich in der eingeschneiten WG ohne auf Widerstand zu stoßen. Das Funkgerät ist gestern bei starken Sonnenwindaktivitäten zusammengeschmolzen. Ein schön-schauriges Naturschauspiel zwar, so hell hat die Aurora Borealis, wie wir Forscher das Nordlicht nennen, noch nie am Himmel getanzt, doch unsere Augen sind trübe geworden, stumpf geblickt am großen Dunkel. Kein Mundwinkel zuckt mehr beim Anblick des kosmischen Balletts. Hier, im höchsten Norden ist das Magnetfeld der Erde zu dünn, um die geladenen Teilchen, die von der Sonne gesandten Protonen und Elektronen, abzulenken. Und der furchtbare, gestrige Niederschlag aus dem Weltenraum hat uns nun komplett von der fernen Welt der Menschen abgeschnitten. Also ist meine einzige Hoffnung diese Flaschenpost. Ich weiß, die Chancen stehen schlecht. Das Meer ist zugefroren, und bohrte ich auch ein ausreichend tiefes Loch, bis ans flüssige Wasser, stopfte die Flasche dann dort hinein, sie würde ungefähr drei bis vier Jahre in den Meeresströmungen unterwegs sein, bis sie die gemässigten Breiten erreichte und somit die Zivilisation. Bis es soweit ist, könnte es schon zu spät sein. Ich habe meinen letzten Zwieback angebrochen, einen Teil davon zur eigenen Belustigung den tollkühnen Haubentauchern, die keinen Zwieback vertragen, zum Fraß vorgeworfen. Leider ist ihr Fleisch mit derart vielen Toxiden durchsetzt, das wir sie nicht anrühren. So zähle ich mindestens zwei dutzend der posierlichen Tiere vor meinem Fenster, alle am Zwieback verendet. Einen Bären müsste man schießen, aber unsere Flinten wurden uns von 'Greenpeace'-Aktivisten abgenommen. Sie überraschten uns in der Nacht. Wann auch sonst. Wir haben sie mit unseren Krummschwertern und Säbeln beeindrucken wollen, haben den kosakischen Todestanz zu immer schneller werdender Musik getanzt um bei ihnen Schwindel auszulösen, doch ihre Augen sind verschloßen vor der Menschheit und fremden Kulturen, allein die Tiere vermögen es, sich in den schmalen Lichtkegel ihres Interresses zu stellen. Und wir sind Forscher, keine Söldner.
Sie sind genau so schnell, wie sie kamen, verschwunden. Getragen von mächtigen Reittieren, deren Gattung mir fremd war. Man hörte das Horn, das sie bliesen noch meilenweit gegen den steifen Wind, Fanfaren des Hohnes, als spuckte man uns Mitten ins Gesicht. Ich bin ein einfacher Mann, aber ich besitze Stolz und Ehr'. Und nur der Gedanke an Gerechtigkeit lässt mich nicht verzagen. Das soll eine Wahrnung sein, an alle, die ein Ideal mit falschen Mitteln verteidigen! Der Hammer des Rechtes wird niederfahren auf die, die nicht im Wege das Ziel erkennen um dann blind wie Motten dem großen Lichte hinterherfliegen. Und sei es ungezählte Male mit dem Kopf vorran gegen die Wand. Irgendwann platzt jeder Kopf.
So, ich werde meine Niederschrift hier beenden. Der klamme Finger vermag dem Geiste nicht mehr zu folgen. Ich hoffe, man findet uns.