7.3.07

15 Sekunden Wut

Ich sitze in meinem guten Bus, auf irgend einer Raststätte, weiß nich wo, weiß nich wann. Erinnerte mich grad an Mannheim zurück. An einen Abend ohne Geld in der Tasche, mim Kumpel unterwegs zum Karaoke. Unterwegs an der Fussgängerampel sagt uns einer Bescheid: Party in Quadrat D4. Aber zum Karaoke waren wir schon mit anderen verabredet, konnten das nich einfach sausen lassen. Als Alternative trotzdem die Party in D4 in Erwägung ziehend, zogen wir weiter zum Karaoke. Dort war nix mehr los, zu spät dran. Also rüber zu D4. Eintritt für die Party: 1 €. Guthaben: 67 Cent. Diskussion mit der Kassencrew. Argumentation: Wir wollen noch nich nach Hause, ham nich ganz genug Kohle, wollen aber auch nichts trinken, einfach noch unter Leute, um den Abend in Gesellschaft abschließen zu können.

Sie wollten uns aufs Maul hauen. Wegen 33 Cent. Kein Witz. 33 Cent reichen für einen BWLer aus, eine ganze Palette menschenverachtender Erniedrigungen aus den vordersten Schubladen seines zweizelligen Gehirns zu ziehen, handgreiflich zu werden und sich vor der gesamten vernünftigen, friedvollen, freien Menschheit zum Affen zu machen. Wir sind gegangen. Einzige Chance. Zwei gegen 10. Je weiter aber D4 hinter uns lag, emanzipierte sich mehr und mehr der Gedanke in meinem Kopf, dass ein Missstand nicht behoben wurde. Ich ergriff einen Stein, drehte um, bereit zum Kampf, bereit den Stein durch irgendeinen Schädel zu treiben. Dann erinnerte ich mich an die Worte einer klugen Frau: Wer länger als 15 Sekunden wütend ist, wird ein kleiner Hitler. Augen zu und durch. Einfach nach Hause gehen. Ohne Rechtfertigung, ohne Genugtuung aber mit dem Stein in der Faust. Ich besitze ihn noch immer. Er erinnert mich heute an meine 15 Sekunden Wut; mit solcher Pedanterie, dass ich an ihm immer wieder üben kann, kein kleiner Hitler zu werden. Wenn ich ihn ansehe, schaue ich meiner dunklen, unnützen Seite in die Augen, die nur Mannheim zum Vorschein brachte. Denn Mannheim und seine Uni lehrten mich vor allem eines: Aggresivität. Und die brauche ich nicht, hab ich nie gebraucht, braucht niemand nicht. Unnütze Scheiße, die Freundin vom Neid, die Tochter vom Hass, die Schwester der Eifersucht, der Feind der Zufriedenheit, der gesunden, kreativen Melancholie, der Besonnenheit und der guten, alten Liebe.

Ich sitze in meinem guten Bus und hör' Cat Stevens "Sad Lisa" rauf und runter, und erkenne den Triumph des Friedens. Der Friede ist des Menschen höchsten Gut. Ohne ihn war der Mensch die längste Zeit Mensch gewesen.
Spielt die Geige, singt, und ihr nützt den Tag. Vielen Dank Dir für die Post, die Musik wird mich immer begleiten. In meinem blauen Bus. In meinem Kopf. Und somit auch der Friede.

5.3.07

...ungewiss ist alle Wiederkehr

In Berlin bin ich stehen geblieben. Ich sag's gleich: es is zuviel da passiert. Ich kanns nich wirklich in niedergeschriebener Sprache resümieren.

Aber natürlich is der Stress erstmal weitergegangen. Ne "Morgenrot"-Barhexe mit großen, gelben Zähnen im Genick wollte uns den Schädel einschlagen, dann is sie geplatzt.
Im Keller war es besser. Die Menschen dort, zusammengepfercht, benebelt von unsäglich dichtem Party-Edelgas, brauchten genau eine musikalische Kettensäge wie die unsere, um am letzten Zipfel ihrer stumpfen Menschlichkeit gekitzelt zu werden, was den ganzen Körperaparat wieder in Wallung brachte. Rock n' Roll, dreistimmiger Gesang und Beatboxing, Alkohol, Sauerstoffunterversorgung, Dunkelheit, Sex, Schlitten, Peruaner, benannt nach deutschen Philosophen, aus den Anden mit den Skiern abgefahren, bis nach Berlin, schöne Frauen im Gepäck, die aber nich reden, nur nuscheln können, Shakespeare, auch eine Frau mit schlechter Laune und großen Augen (und leben tut sie/er auch noch), hingerissene, sehr gut unterhaltene Spanierinnen, Tiere auf allen Straßen, Schweine wollen Hühner fressen, wie Lemminge stürzt sich die Berliner Kindheit in all ihren Einzelteilen in die Tiefe - naja eigentlich nur in ein Tiefchen, in Berlin gibt es keine Berge, nur Erhebungen und Senken. Eigentlich heißt dass da auch Kreuzhügel und Prenzelhubbl. Das darf nur keiner wissen... Deswegen muss man ja auch sein Gehirn abgeben, wenn man nach Berlin rein fährt. Das schwimmt dann im Haus der einsamen Frauen im Sud der Zufriedenheit bis man wieder geht. Man kann aber auch eine Erklärung unterschreiben, dass man über den Zeitraum, den man im dicken B vergammeln will, soviel saufen und kiffen wird, dass jegliche Erinnerung an Kreuzhügel und Prenzelhubbl im Kochtopf der Droge zu Drogenerinnerungslückenpampe zermanscht und vor die Linse des inneren Auges geschmiert wird. Woher ich das alles weiß, warum ich nich Soße im Kopf bin?
Der Trick: Ich hab dran gezogen, aber nie inhaliert!


Hier in Mannheim tut sich auch was. Die Stadt hat versucht sich bei mir einzuschleimen. Fremde Menschen haben mir Komplimente gemacht, fremde Menschen haben dem David und mir einfach so ne Schnitzelplatte mit Pommes, zwei Stangen Zigaretten, eine Methusalemflasche feinsten Champangers und 10 Euro geschenkt. Aber ich lass' mich nicht bestechen. Uni hat wieder angefangen, Undercover-Bullen wüten in den Straßen, durchsuchen alles und jeden, der sich die Schuhe falsch gebunden hat oder nich nach BWL-Spack aussieht, und es stinkt hier. Deswegen hab ich mir diesen Bus hier gekauft: Für meine letzten 40 Cent, meine Pfandflaschen und einen eingeschweißten Marmorkuchen ausm ALDI. Ich hab alles an Bord, sogar Roger, meinen selbstgezüchteten Apfelbaum. Ich hab' mich auf den Weg gemacht, die Welt zu umrunden. Erstmal hoch nach Hamburg, eine Crew anheuern. Mein Bus mit den grünen Zauberrädern kann ja auch nicht kaputt gehen, weil er schon 25 Jahre in der Sowjetunion hinter sich hat. Er is so abgehärtet, er braucht nichmal mehr Sprit zum fahren. Man muss nur alle 1000 Kilometer die russische Hymne anstimmen und er läuft weiter.
Mein kleines Zimmer und der Ausblick auf den Orinoco werden mir tatsächlich ein wenig fehlen und dass ich kein Gastgeber mehr sein kann, ansonsten bin ich froh, die Kurpfalz als kleinen Punkt im Kunterbunt der Vergangenheit verschwinden gesehen zu haben. Der "Raport: Mannheim" is tot. Der "Raport: Freiheit" erwacht. Machs gut, Süddeutschland, machts gut, Freunde, es reißt euch keiner den Kopf ab und man lebt nur einmal, in diesem Sinne: Dance 'til the end...

8.2.07

Es geht anders.

Die Erkenntnis hat mich gefunden. Eine Woche Berlin, anstrengend wie sau, aber mit enormer heilender Wirkung. Die Schlacke der eingeengten Denk- und Lebensweise, die an meiner Mannheimer Kack-Uni überall auf den Fluren verschlonzt wird, die einem das Hosenbein hochkriecht, unterm Hemed bis nah ans Hirn, is im Berliner Wind der Freiheit verweht. Man hört es so oft, überall wirds totgequatscht: Lebe dein leben, mach was du willst, etc... Aber ein altes russisches Sprichwort besagt mit der ehrlichen Reinheit eines milchgefilterten Vodkarausches: Sprich nicht darüber, was du tun willst; sprich über das, was du getan hast. Und ich war in Berlin. Ich hätte da bleiben sollen. Und aus mir sprich nicht die verblendete Euphorie eines fremdtrunkenen Heimkehrers, nein, ich hab die Erfahrung ziehen lassen und mit einem gewissen Abstand schaue ich darauf zurück. Und für mich haben sich die leeren Phrasen der tausend Stimmen, alle nach einer Freiheit schreiend, mit dem einzig wahren Inhalt gefüllt. Nicht der Inhalt des Nachvollziehens, nicht der Inhalt des Ausmalens, des Mitläufertums, des Nachäffens, nicht des leeren Inhalts Inhalt willen; der Inhalt meiner Worte nährt sich aus Erlebtem. Ich erlebe Mannheim jeden Tag, und die Stadt, einst Kultur-Obermetropole, vor vielleicht 200 Jahren oderso, verfällt dem dreckigsten Spießertum. Und als Keimzelle diesen Übels muss die Universität genannt werden. 10 Millionen Anzugträger die nur Tabellen fressen und sich ihre Triebe mit Geld und Porsche befriedigen, überfluten den Campus. Überfluten hört sich schon zu frei und wild an, eigentlich addieren sie sich nur herum, multiplizieren sich durch die Stadt, kalkulieren durch die Kneipen um sich ein (AHHHH!!!!!) "Latte Matschiaddo" zu dividieren und anschließend bei Gesprächen die sich nur aus Einsen und Nullen zusammensetzen, gemeinsam eine Anglizismus-Brainpool-Get-Together-Meeting-Business-Mindfucker-Séance abzuhalten, in der der Mensch vor dem Kapital kapitulieren muss. An diesen Leuten is nichts echt oder komisch. Und weil ich das weiß, is es mir scheißegal. Und ich weiß auch, dass ich dieses sinkende Schiff verlassen muss. Meinetwegen auch als Ratte, aber bitte als Erster... Und dann seh ich mit nem Blick über die Schulter, wie sie sich selbst gegenseitig subtrahieren, wie sie in einem klitzekleinen Lichtblitz verglühen und ich sitz in der Sonne mit der Klampfe in den Händen, drauf pfeifend. Ohh ja, natürlich! In hundert Jahren wird bestimmt die Weltöffntlichkeit sehr angetan sein von den ganzen Spacken: "Schau mal hier, wie wunderschön romantisch der hier diese Excel-Tabelle ausgefüllt hat... Bezaubernd!" Sicherlich...
Vom Lande kommend, dachte ich mir: Ha, Stadt is Stadt. Ne, ne... Falsch gedacht. Es is schade um Mannheim und seine schönen hässlichen Ecken, aber Mannheim hat einen Tumor in sich, der unaufhörlich Metastasen streut. Das Leben versiegt. This is the road to hell.

Berlin.

Mit der Mitfahregelegenheit über mitfahrgelegenheit.de kam ich montags hin. 25 €, fairer Preis. Erster Eindruck: Kälte. Aber als ich am gleichen Abend mit meinem Otro Fako erstmals durch Kreuzberg 36 gezogen bin, ins Rauchhaus, zum Penny, der bis 22 Uhr offen hat, in der WG in der Oranienstraße und bei der ersten Jam-Session hab ich wohl gefühlt. Am nächsten Tag auf dem Fahrrad auf den Kreuzberg hoch, abends lecker Maultaschensuppe und crazy Cuscus-Salat, nächste Jam-Session. Dann am Mittwoch nochmal mit dem Bike alleine (weil auch Fakos mal an die Uni müssen) durch die City, in die edle Musikhochschule, in der die Schüler in bunten Schaukästen mit dem Teufel um ihre Seele spielen.
Und dann hat Berlin losgelegt. Wir sind erst rüber zum Prenzelberg, zur Frau mit der Mappe, haben uns eingesungen und haben dann gegenüber vom "Morgenrot" Stellung bezogen.

Straßenmusik.

Um 0 Uhr gings los. Gegen die Kälte haben wir angeschrien und verbeilaufende Passanten in unsere Lieder reingewurschtelt. Es hat nich lange gedauert, bis sich die ersten Groupies vor uns versammelt hatten. Mit glühenden Augen, schmachtend und im Herzen bewegt. Unverhofft ist Robert Stadlober vorbeigelaufen; er wurde auch musikalisch bedacht. SCHAUSPIELER! Du siehst gut aus, gut aus... Als der erste Schnee sich zu uns gesellte, kam ein Reporterteam von der Berliner Morgenpost daher. Bilder gemacht, Interview, Schnickschnackschnuck. Dann kam die erste Mordrohung. Wir haben musikalisch nach Feuer gefragt, als einer das Fenster aufriß, dreimal mit ner .5 Desert Eagle in die Luft schoß und uns mit dem Wortlaut ICH GEB EUCH GLEICH FEUER WENN IHR NICH DIE SCHNAUZE HALTET!! von unsrer Stage jagte. Dann 20 Meter weiter, nach ungefähr einem Takt, wurde uns mit der Polizei gedroht. Wir waren auf der Straße nich mehr sicher. Gut, es war spät, eher früh, auch manche Berliner müssen schlafen. Also rein ins "Morgenrot". Weg vom Stress. Denkste.

To be continued....

1.2.07

Es is zuviel

Ja, sorry.
Mein Hirn arbeitet noch. Berlin kann man nich in drei Tagen verdauen. Aber bald. Habt Geduldt...

21.1.07

Ins Wasser fällt ein Stein - nicht.

Mannheim, Jungbusch. Seit vier Monaten sind wir im Dschungel. Ich zähle die Tage. Noch fünf Jahre; verdammt... Warum hab' ich mich nur freiwillig gemeldet. Die 'Grunts' ham von Anfang an Witze gemacht. Ein Bursche aus gutem Hause sollte nich an so einem gottlosen Ort sein. "Warum bist du nich zu Hause am College und studierst was Kluges, bei deim Mädel, das auf dich wartet? Du musst ein Vollidiot sein..." Man darf sie nich falsch verstehen. Es sind einfache Burschen, roh wie ne Flasche Wodka, aber sie haben eine gute Seele an der ein goldenes Herz unten dran hängt. Manche sind schon eine halbe Ewigkeit hier, ham alle viel gesehen und viel mitgemacht. Sie sind alle müde. Müde und dumpf. Der Jungbusch verändert einen. Langsam aber sicher wird man verrückt oder taub. Entweder hat man dauernd Schiss, richtigen Schiss, oder man langweilt sich zu Tode. Jeden Tag der gleiche Scheiß... Mit feuchten Klamotten, die bei hier nie trocknen, vollgesogen mit Dschungeldampf und Schweiß kleben sie an der Haut, mit schweren Rucksäcken voller Steine, oder was der Sgt. einem sonst so schleppen lässt, mit Blasen an Füßen in Stiefeln, die man nie ausziehen kann, weil irgend ein Witzbold mir im Schlaf einen vietnamesischen Seemannsknoten in die Senkel gemacht hat, mit roten Feuerameisen im Nacken, überall, kein Schlaf, kein Bett, scheiß Essen, scheiß Scheiße.
Charlie war ruhig gewesen in den letzten Tagen. Die Kämpfe ham sich wohl mehr nach Norden verlagert, Fluss aufwärts, ab und zu kommt ein Boot zurück, bei uns vorbei, mit lebenden Leichen an Bord, mit Männern, die zu tief drin waren, sie waren zu nahe am Nichts. Wird nichmehr lange dauern, bis sie uns auch da hoch schicken. Dann isses vorbei.
Ich geh oft zum Fluss runter und versuch Steine rüber zu werfen. Sind knappe 45 Meter, ich schaffs fast. Es is wie meditieren, es tut gut, ein Ziel vor Augen zu haben.
Aber gestern is was passiert. Immer so gegen die Mittagszeit finden sich die Komorane am Fluss ein. Die eleganten schwarzen Vögel fliegen knapp über dem Wasser. Immer zu zweit. In Formation suchen sie mit ihren scharfen Augen nach Fischen im Dreckswasser, ham sie ein gesichtet, wechseln sie die Elemente. Sind verteufelt gute Taucher.
Als wieder zwei ankamen, hab ich einen Stein nach ihnen geschmissen. Sie waren gute 30 Meter weg, ham sicherlich 50 Sachen drauf gehabt - keine Chance die zu treffen. Ich hab aber getroffen. Hab einen voll an der Seite erwischt. Er is noch ein Stück weitergeflogen, dann wurde sein Flügelschlag unkontrolliert. Er is aufs Wasser geklatscht und hat noch die Kraft gefunden, abzutauchen. Mir is das Herz stehen geblieben. Ungefähr eine zehntel Sekunde hab ichs nich geblickt, dann hab ichs nich fassen können, kurz hab ich mich gefreut, dass ich tatsächlich getroffen hab, was in meinen Augen das Unwahrscheinlichste war, dass ich je geleistet habe, ja, sogar was sich je vor meinen Augen abgespielt hat. ONE SMOOTH MOVE. Natürlich wollte ich den armen Kerl treffen, hab ja den Stein in seine Flugbahn geworfen, aber ich wollte ihn nich getroffen haben. Als mich das Mitleid und das schlechte Gewissen mit voller Wucht erschlagen wollte, isser wieder aufgetaucht und weitergeflogen. Zum Glück. Und zum Glück hats der Bolivianer gesehen. Zurück bleibt die verwirrende Erkenntnis, dass ich nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit nie wieder in meinem Leben einen Vogel im Flug mit einem Stein treffen werde. Oder, dass man sich überlegen sollte, was man probiert, es könnte ja auch klappen. Anders wie Homer Simpson einst sprach: "You tried, and you failed. So what did you learn? Never try!", aber das Fazit bleibt das Gleiche. Und als wär der Tag mit diesem Ereignis nicht schon unwahrscheinlichkeitstrunken genug gewesen, hat sich am Abend der Chef meiner Lieblingsspelunke ans Pissoir neben meinem gestellt. Ich hab sowas gesagt wie: "Schöne Kneipe." Er: "Kommst du aus Mannheim?" "Ne, Nordschwarzwald." "Calw?" "Ja." "Meine Schwester is Lehrerin dort." "Ich hab vorhin ein Kormoran per Hand ausm Himmel geholt, würde mich nich wundern, wenn deine Schwester meine Mutter is"

Die Welt wird immer kleiner. Mein bulgarischer Kamerad kennt meinen Onkel aus Unterlengenhardt und mein Wirt kennt Calw. Und ich treff den Vogel, als wär er einen halben Meter von mir weg gewesen.

Kurz: Ich arbeite jetzt bei Europcar neben dem McDonalds, muss saubere Autos putzen und rumfahren und ich geh morgen (Montag) um 10 Uhr früh für eine Woche o. ä. in die Bundeshauptstadt.

19.1.07

Tief

Über den Landen tobt der Sturm. Sylt versinkt im Meer. Diesen Winter gibt es keinen Schnee; was haben wir getan? Globale Erwärmung, Pinguine verzweifeln, Möwen irren umher, der Golfstrom kämpft gegen die kalten Wassermassen, einst Eis der Polkappen, an, Automobile fliegen am Fenster vorbei, Reporter überhitzen vor laufenden Kameras, laufende Kameras schmilzen, Experten beschuldigen, Witwen flehen, Tiere blöcken, Satelliten kreisen und senden falsch, Gewässer schwillen, Religionen werden in Endzeitstimmung geboren, N24 berichtet non-stop, Wellen schlagen, Gischt peitscht ins Gesicht, Plastiktüten wirbeln, Schwäne sterben, wers noch zur Tanke schafft, kauft sich einen letzten Schnaps, geworfene Steine segeln schief, Windrichtungen gewinnen an Bedeutung, Fahrradfahrer lenken dagegen - umsonst, Windstärke 12, Rollladen rütteln, hin- und hergerissen, der Raucher entzündet sein 14. Streichholz - vergebens, eine letzte Zigarett' bleibt ihm verwehrt... Er wird vom Scheunentor erschlagen, in München steht ein Hofbräu-Haus, holländische Schiffer treiben gegen steile Klippen, die Schotten schließen sich, der Kohlebunker steuerbord steht in Flammen. Kyrill sorgt für Unterhaltung im Bundesgebiet. Ich werde diese gefährdete Stadt, die sich da Mannheim nennt, verlassen. Am Montag mach ich mich auf nach Berlin. Noch sitze ich am Fenster und betrachte die Panik. Ein vorbeitreibender Eisberg böllert einen Salutschuss in den Himmel, kurz bevor er untergeht, bald ist es vorbei.

Der Mensch kehrt in seine unverdiente Ruhe zurück. Das Erwachen aus der Endzeitstimmung ist ernüchternd. Zurück in allgemeiner Langweil', der Mensch rückt auseinander, der blöde Stoiber wird wieder wichtig und der Oscar erst recht. Nichts geht wirklich zu Grunde, nichts findet sein Ende, alle haben gejammert, fast niemand zu Recht. Nur die Zirkustiere. Und die können nur tröten und wiehern... Vielleicht sollten alle mal ihren Schrank anschauen, um wenigstens eine Konstante des Lebens zu erkennen.

Und nicht zu vergessen: Alles ist eine Frage des Blickwinkels... Mit einem Whiskey und einer Zigarre kann man auch eine Naturkatastrophe gelassen genießen.

16.1.07

Walk on the wild side - always


Um es für alle klar zu machen: Raport (Mannheim) bedeutet nich "Rap - Ort" Mannheim. Nein, "Raport" ist ein eigenes Wort, ähnlich dem geläufigeren "REport". Natürlich, Mannheim ist, wie man sagt, die Pop-Stadt Deutschlands, und somit bestimmt auch ein Rap-Ort, aber ich beziehe mich nicht darauf.

Und weil dieser Blog "Raport: Mannheim" heißt, berichte ich auch nur und ausschließlich aus Mannheim. Zwischen den Jahren war ich aber im Schwarzwald. Back in Black Forrest. Also gähnte hier, alleine und drei Wochen lang, Leere.

Mannheim hat mich wieder.

Ich hab keinen Bock, was zu schreiben. Mir fällt nix ein. Das neue Jahr 007 - toll...

Der Saddam ist tot, und vieles andere auch.

Mein Handy ist gesperrt.

Bogart ist gut.

"The roaring Twenties" ist ein guter Film.

Es lebe die Prohibition.

Speak easy. Flüsterkneipe.

Erstaunlich, meine Pflanzen sind nicht gestorben. Die Essensreste haben keinen Schimmel angesetzt. Und sonst hat sich auch nichts verändert. Ich finde das erstaunlich. Die Erde dreht sich mit über 1000 km/h am Äquator, zudem noch um die Sonne; und die Sonne dreht sich mit all ihren Planeten um den Mittelpunkt der Milchstraßengalaxie. Die Milchstraße steht bestimmt auch nicht still im All. Alles zusammen gerechnet, bewegt sich mein kleines Zimmer mit 3171823317,2222 m/s durch den Kosmos. Und nichts hat sich verändert. Auf molekularer Ebene. Auf menschlicher Ebene auch nicht. Nur der Geist reist weiter. Er lässt zurück, was ihm nichtig erscheint. Aber was ihm nichtig erscheinen sollte, ...

GOD GAVE ROCK'N'ROLL TO YOU

Fahr' zur Hölle, wenn der Weg dein Ziel ist. Denn der Weg dort hin ist bestimmt ein guter.

Wo sind all die Indianer hin? Ich kann es dir sagen, du Romantiker: Vertrieben, erschossen oder dem Alkohol verfallen. In Reservoiren wie Abwasser.

You can't always get what you want, but if you try sometimes you get what you need.

Für die Freiheit nehme man ein Mopped und sich selber mit. 4 Euro für Kippen und 20 für Sprit. Einen Stift für Gedanken, ne Säge für Schranken, und dein Hirn lässt du zu Hause, in deiner Gegend, wo es vielleicht noch jemand gebrauchen kann. Aufm Land oder in "a little town".

Es ist besser, du hast einen treuen Feind, als gar niemanden.

Hör auf so schlau zu reden... Da kommts mir hoch.

Die Wahrheit liegt im Wein, but I'm changing, arranging, changing, everything....

Ich hab mein Aftershave vergessen. Ich werd mich vorsichtshalber nicht mehr rasieren. Sonst entsteht nach der Rasur ein Loch im Raumzeit-Kontinuum. Meine Pflanzen werden zu Erde zerfallen, der Schimmel, mir aus 17 Tellern ins Gesicht springend, wird versuchen mich in politische Debatten über die Stiober-Nachfolge zu verwickeln, um dann langsam und unauffällig meinen Platz einzunehmen. Und die Sonn' wird sich durch die Erde drehen, im Schlepptau: die Milchstraße.

Schillerstr., Schlossallee, Paulinenstr., Schulstr., Hafenstr., Burgweg, St. André-Str., Rennbachstr.,... alles Quatsch. Ich wohne in der Milchstr.
Im einzigen Haus, das da so steht. In einer ziemlich großen WG. Über 6 Milliarden Leute teilen mit mir eine Toilette. In der Küche is es nich so schlimm, weil vier Herde.

It's not in the way you say you care... Hold the line...something isn't always on time.

Trawler. What do we do with the drunken tailor?

Hot town, winter in the city.

Kickin' around on a piece of ground in your hometown.
Waiting for someone or something to show you the way.

Noone told you when to run, you missed the starting gun.

And you run, and run to catch up with the sun, but it's sinking
and racing around to come behind you again.
The sun is the same in a relative way, but you're older
Shorter of breath and one day closer to death.

Yeah, just this flight tonight.

Kurz vor drei. Es nächtigt gewaltig. Träge wälzt sich die Hand über die Tastatur. Beiläufig fällt ein Finger schwer auf eine Taste. BUMM. Man sollte sich nicht wundern, dass die Katze da die Löcher im Fell hat, wo zufällig auch ihre Augen sind. Ich hab mal eine Ameise am PC ne Mail schreiben sehen. Sie musste erst aus kleinem Geäst eine Hebelfunktion errichten, ihre marginale Kraft soweit potenzieren, um den mechanischen Vorgang des Tastendrucks zu ermöglichen. Nach zwei Wochen stand da geschrieben: "H". Das "H" war schwer gewesen, weil groß geschrieben. Das kleine "a" kam schnell nach. Dann ein, zwei "l" -ruckzuck- PAM PAM; dann ein Windstoß... Und der kleine hölzerne Kran flog davon. Die Ameise rutschte zwischen "l" und "ö". Ihre Fühler kreisten, und die Beine auch, herum. Ich war nur froh, dass ICH nicht in eine Riesentastatur gefallen war, dass "I need a hero" mit ganz vielen Trommeln im Radio kam und dass ich bis heute nicht aussehe, wie Theo Waigel. Tschüss.


20.12.06

Ich halte die Stellung






Viel gelernt. In der Bar. In der Bib. Von Sonnenauf- über -untergang bis nachts und Dämmerung aus Bullauge Drei.

Freundlich: Mannheim bei bestem Krakow-Wetter kurz nach Lit.Wiss.-Klausur.

Die Mission ist beendet. Ein halbes Jahr ist vorüber. Zusammen haben wir geforscht, gelebt und zuletzt gelitten. Doch die Aufgaben wurden bewältigt, Mission-Controll bestätigte letzten Freitag das erfolgreiche Ende des Semesters. Die meisten sind schon gegangen. Das enge Zeitfenster und Heimweh rief einen Großteil meiner bulgarischen Kollegen schon zur Mutter Erde zurück.

Alleine in der Basis "Am Verbindungskanal".
Wie zu Beginn meines extraterrestrischen Aufenthaltes sind die Flure verlassen. Doch dieses Mal hat die Stille keinen Platz. Mit voller Lautstärke spiele ich auf der Orgel gegen sie an, so dass selbst das schweigsame Vakuum der Weltenräume zu klingen beginnt. Mit den Klausuren im Rückspiegel, mit zwei Monaten der Freiheit vor mir, genieße ich diese letzte Zeit in den 12 qm, die mir stets ein gutes zu Hause waren. Doch auch ich muss diesen Weg antreten, meinen Mond verlassen und in den Schwarzwald zurückkehren. Aber jetzt noch nicht. Ich tanze noch eine Weile den Tanz der Exklave, singe das Lied der Sterne und trinke mit meinem Verstand um die Wette. Ich höre die Lieder der guten, alten Zeit, erledige Dinge, die ich einstmal schönen Mädchen versprochen, aber nie in Angriff genommen habe. Ich laufe mit einem Sechstel meines Erdengewichtes über eine plane Fläche; in ihrer Weite mit meiner momentanen Zufriedenheit Hand in Hand über graue Hügel vor schwarzem Himmel. Nach Wochen der Anspannung, der geistigen Qual, kann ich nun denken, was ICH will. "Das ist ein ganz kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Sprung für einen Menschen, vor allem für MICH." Ich schicke Steine mit einem entspannten Wurf aus dem Hangelenk, jenseits meines Blickfeldes, fahre mit dem Mondmobil über Staub und Stein - mit 6 (mindblowing) km/h. Meine wassergekühlte Unterwäsche blubbert. Und manchmal fragen mich Möwen nach dem Weg. Ich habe in fünf Jahren Tankstelle gelernt, Wege präzise zu beschreiben, doch die reisenden Möwen lassen sich immer leicht zu einem Bourbon überreden. Dann erzählen sie einem vom Neptun, von der Sonne und vom Meer. Sie haben eine blühende Phantasie. Möwen.

12.12.06

Ein alter Text aus den Untiefen meiner 120GB-Festplatte

Die Grundordnung

Steht man auf dem Hügel und schaut ins Tal, wird man dort, im Schatten, die Umrisse einer riesigen undefinierbaren Struktur erkennen. Unweigerlich wird sich der Wunsch manifestieren, den Blick in die entgegengesetzte Richtung zu wenden.

Nach einer Drehung um 180° erlöst der Anblick des weiten Meeres den gequälten Geist von seiner Irritation. Selbst Astronauten in ihren Umlaufbahnen sehen das Meer. Das ewig weite Meer. Das Meer ist XXL. Größer als das Meer ist nur der Verdruss der Menschen, erkennend, nicht das Größte zu sein.

Das Wasser, die Wiege des Lebens, erzählt von der Erstehungsgeschichte des Seins. Der wahre Sinn des Lebens wird sich nicht in, von Menschen geschaffenen, Werken finden lassen. „Lass die Wasser sprechen“
sagte der Vogel und wendete sich um 180°. Er hörte zu, verstand, und flog davon.

Die anderen Wesen erstarrten in Ehrfurcht. Sie verstanden den Vogel. Nach seiner unmissverständlichen Demonstration des wahren und zugeordneten Seins entwickelten sich die Wesen der Welt. Jedes ging seinen Weg, jedes fand einen Platz. Denn das Meer ist weit.

Doch im Schatten hatte er verschlafen. Der Mensch hatte den Ruf des Vogels nicht vernommen. „Leck mich doch am Arsch!“. Er drehte den Herd auf 7000 U/min hoch, ließ den Rödler angespannt auf 3 bis 4 Wolle rüber, knallte den Räumer in die Prädulie und pushte die Fräse voll in die Leisten. „Na warte...“

20.000 PS flanierten über den roten Teppich. Der zuständige Supervisor staunte nicht schlecht als Manfred
mit gezückter .9er Uzi dem frisch verlobten Schauspielerpärchen die Entscheidung den Weg zu räumen und ihm die Aufmerksamkeit der angetretenen Paparazzi zu überlassen sehr leicht machte.

Gefragt nach der roten Rose, und erwartete man auch ein Lächeln, blieb ihr Gesicht völlig entspannt. Weiche Linienführung, umschmeichelt von blauem Rauch einer edlen Zigarett' die sie in der goldenen Box aufzubewahren pflegte. Der rote Mund...

Die Wand zerbarst. Zwanzig trollige Clowns der Hamburg Mannheimer sprangen im Zick Zack durch den Staub, ihre lustigen Palmwedel als Besen missbrauchend. Ein Schwarm heißer Cheerleader folgte, ihre lustigen Puschel als Besen missbrauchend.

Sie brach in schallendes Gelächter aus. Tränen rannen ihr über die weiche Linienführung. Asche auf ihrem Knie. Die Haare zerzaust, die Perlenkette sah noch gut aus. „Entschuldigen Sie.“ Sie atmete tief durch legte eine neutrale Mine auf.

Er legte sich auf eine feindliche Mine drauf und ging flöten. Das Lied vom einsamen Hirten klang in lieblicher Ästhetik vom Hügel hinan. Die Wucht der Explosion überschritt seine Schmerzgrenze und schlafen konnte er jetzt auch nicht mehr.

Der einsame Hirte trieb seine Schafe eigenhändig vom Hügel in die einladend fruchtigen Ebenen des Tieflands. Seinen Hund hatte er im letzten Krieg eingebüßt. Schreckliche Geschichte. Er hatte es sich nicht träumen lassen, dass Hunde tatsächlich als Helden im Glanze des Mutes und der Aufopferung ihren Weg zu den Sternen fänden.

Die Straße ist lang und ohne Kurven. Mit einem schnellen Auto kommt er an. Tolle Reifen, klasse Rückspiegel, super Antenne, dufte Karre einfach. Die Tussi sagt noch zu ihm das es keine Straße auf Gottes großer weiter Welt gibt, die ganz ohne Kurven auskommt, als der Hobel die Leitplanke durchbricht.

„Was für eine Sauerei.“ Der Chief Detective nimmt seine Sonnenbrille ab. Mit dem Zeigefinger schnippt er die Rückstände eines menschlichen Auges vom Knie. „Den hat es ja ganz schön zerfetzt.“ Der Detective stand auf und bog seinen Rücken durch. „ Ach ja...., die Jugend von heute, die ham einfach kein Respekt mehr vor Edward Newton.“

Sobald ein neues Thema beginnt, schaltet der Mensch auf RESET ohne das Vorhergehende zu vergessen. Er denkt einfach weiter ohne.

Die liebliche Bootsfahrt endete aprupt, als der Fluss eine steile Biegung nach unten machte. Das Brautpaar knallte händchenhaltend aus neunhundert Metern Höhe auf einen neckischen Felsen.

Karle johlte. 2:0! Wer hätte das gedacht.

11.12.06

Ein steiniger Weg







Als erstes mein Studentenwohnheim am Orinoco-Delta, dann der Jörg und ich im Lerntempel um für das Bestehen der Klausuren zu beten, und zudem noch der Abend mit dem Dave, an dem mich ein Professor der Musikschule einschüchtern wollte, weil ich in einer Schülerbandkonzertpause auf die Bühne gelaufen bin, dem Publikum zugewunken, mich an den "Steinway" gesetzt hab und was spielen wollte. Da kam der aber angerannt, nach zwei, drei Akkorden ... stinksauer. Auf die Frage, wer er denn eigentlich sei, is er noch saurer geworden. Ich habe dann abseits der Bühne noch eine kleine Weile mit ihm geredet, er war ein bisschen unsicher, hat aber in ruhigem Tonfall kleinlaut zugegeben, dass er Angst vor dem Klavierbeauftragten habe und dass es wegen dem nicht geht, das jeder, der will, auf einem 150'000 € Klavier rumklimmpert. Warum das traumhafte Klavier nicht benützt wird, wollte ich wissen, gerade in so einer Umbaupause, warum den JETZT keiner vorne sitzt, hätte ja nich ich sein müssen, und was Schönes spielt, anstatt Plastikmucke vom Band laufen zu lassen. Da ist er weggelaufen, und hat leise geweint, weil er sein Scheitern als Programmdirektor des (sehr schlechten) Konzertabends und als Professor der MusikHOCHschule einsehen musste.

Wir wollten diesen traurigen Ort verlassen, aber auf eine Eingabe vom Davide hin, sind wir vor dem Ausgang im Foyer links abgebogen, eine Treppe nauf. Ein menschenleerer Flur, Stille und eine offene Tür. Dahinter war das, was oben auf den Bildern zu sehen ist. Ein kleiner Konzertsaal mit Bühne und noch einem "Steinway"-Flügel. Unbewacht.

10 Minuten. Länger wollte ich mein Glück nicht strapazieren.

23.11.06

Erkennt was wichtig ist!





Danke Boliviano, dass du hier warst. Danke Dave, dass du nie gehst. Danke Otro Fako, dass du die Musik verstehst.


Und endlosen Dank an Dich, das Du hier bist.
Niemand geht für immer.
Und wenn, dann kommen wir alle nach und treffen uns im Großen und Ganzen. Früher oder später. Bis bald in der Toscana, in tiefer Verneigung und Trauer, sprachlos, euer Janosch.

16.11.06

Von Musikmeistern, Schamanen und Idealen





Das Klo tut mir Leid.

Moment! Vor dem Fenster steht ein Asiate und dirigiert. Nein, er läuft im Kreis und dirigiert. Und so wie ich das sehe, dirigiert er Beethovens dritte Sinfonie in Es-Moll Op. 55, die "Eroica". Grad schläfert er aber (für meinen Geschmack) das letzte Drittel des 'Allegro con brio' zu sehr ein.
Und da sag nochmal einer, die Asiaten seien Perfektionisten. Naja, nobody is perfect... Vielleicht is er ja im Karaté besser... Ich schrei' mal was raus, werd' im zu Kampfe herausfordern, um unser Können zu messen. Von meiner Deutschdozentin Frau Scheidner weiß ich, dass "Tschüssi" auch ein chinesisches Wort ist, und auf Deutsch "Geh' und stirb!" heißt. Kein Witz. Das probier' ich jetzt mal aus, da wird er bestimmt sauer.


Was soll man dazu sagen? Er hat sich verbeugt und ist gegangen. Armer kleiner China-Roboter...Das hab ich nicht gewollt.

Schon zwei, die mir heute Leid tun. Genug.

Als letztes noch eine Impression von hinter meiner Bude. Das sind diese magischen 20 Minuten am Tage, wenn die Sonn' die ewige Dunkelheit des arktischen Winters anzweifelt, aber nicht überzeugend genug argumentieren kann. Langsam wirds brenzlig. Ich habe mit Tränen in den Augen meinen letzten Schlittenhund verspeißt, um bei Kräften zu bleiben. Weiß nicht, wie lange das noch auszuhalten ist. Der Salomon hat seit zwei Monden sein Zimmer nicht mehr verlassen. Manchmal dringt beschwörendes Gemurmel in fremden Zungen unter seiner Türschwelle hervor. Dann: gellendes Lachen, lautes Knallen, Schwefelgeruch... Jeder ist misstrauisch, schläft mit dem Säbel unter dem Kopfkissen... Lagerkoller, Skorbut und Irrsinn verbreiten sich in der eingeschneiten WG ohne auf Widerstand zu stoßen. Das Funkgerät ist gestern bei starken Sonnenwindaktivitäten zusammengeschmolzen. Ein schön-schauriges Naturschauspiel zwar, so hell hat die Aurora Borealis, wie wir Forscher das Nordlicht nennen, noch nie am Himmel getanzt, doch unsere Augen sind trübe geworden, stumpf geblickt am großen Dunkel. Kein Mundwinkel zuckt mehr beim Anblick des kosmischen Balletts. Hier, im höchsten Norden ist das Magnetfeld der Erde zu dünn, um die geladenen Teilchen, die von der Sonne gesandten Protonen und Elektronen, abzulenken. Und der furchtbare, gestrige Niederschlag aus dem Weltenraum hat uns nun komplett von der fernen Welt der Menschen abgeschnitten. Also ist meine einzige Hoffnung diese Flaschenpost. Ich weiß, die Chancen stehen schlecht. Das Meer ist zugefroren, und bohrte ich auch ein ausreichend tiefes Loch, bis ans flüssige Wasser, stopfte die Flasche dann dort hinein, sie würde ungefähr drei bis vier Jahre in den Meeresströmungen unterwegs sein, bis sie die gemässigten Breiten erreichte und somit die Zivilisation. Bis es soweit ist, könnte es schon zu spät sein. Ich habe meinen letzten Zwieback angebrochen, einen Teil davon zur eigenen Belustigung den tollkühnen Haubentauchern, die keinen Zwieback vertragen, zum Fraß vorgeworfen. Leider ist ihr Fleisch mit derart vielen Toxiden durchsetzt, das wir sie nicht anrühren. So zähle ich mindestens zwei dutzend der posierlichen Tiere vor meinem Fenster, alle am Zwieback verendet. Einen Bären müsste man schießen, aber unsere Flinten wurden uns von 'Greenpeace'-Aktivisten abgenommen. Sie überraschten uns in der Nacht. Wann auch sonst. Wir haben sie mit unseren Krummschwertern und Säbeln beeindrucken wollen, haben den kosakischen Todestanz zu immer schneller werdender Musik getanzt um bei ihnen Schwindel auszulösen, doch ihre Augen sind verschloßen vor der Menschheit und fremden Kulturen, allein die Tiere vermögen es, sich in den schmalen Lichtkegel ihres Interresses zu stellen. Und wir sind Forscher, keine Söldner.
Sie sind genau so schnell, wie sie kamen, verschwunden. Getragen von mächtigen Reittieren, deren Gattung mir fremd war. Man hörte das Horn, das sie bliesen noch meilenweit gegen den steifen Wind, Fanfaren des Hohnes, als spuckte man uns Mitten ins Gesicht. Ich bin ein einfacher Mann, aber ich besitze Stolz und Ehr'. Und nur der Gedanke an Gerechtigkeit lässt mich nicht verzagen. Das soll eine Wahrnung sein, an alle, die ein Ideal mit falschen Mitteln verteidigen! Der Hammer des Rechtes wird niederfahren auf die, die nicht im Wege das Ziel erkennen um dann blind wie Motten dem großen Lichte hinterherfliegen. Und sei es ungezählte Male mit dem Kopf vorran gegen die Wand. Irgendwann platzt jeder Kopf.
So, ich werde meine Niederschrift hier beenden. Der klamme Finger vermag dem Geiste nicht mehr zu folgen. Ich hoffe, man findet uns.

14.11.06

Da isser ja noch. Der erste seiner Art....


Da ich danach gefragt wurde, hab ich mal geschaut und tatsächlich: Tot gelaubte leben länger. Hier ist mal die Domain: http://fischerdavid.blogspot.com/

Und für den Musiktipp geht ihr auf http://www.youtube.com/watch?v=c_I1ym0lqaM

Das ist ein Golden Oldie, aber gut.

Sonst gibts heute nichts... Ich schau mal noch kurz nach nem interessanten Bild.

Ich kann grad nur den Fuß hier finden...
Huh! Hah! What is it good for? Absolutly nothing...

Ich drink' jetzt in Ruhe ein Bier am Tisch. Wär ich nicht alleine noch wach, ich könnte beinahe ein Gespräch dabei führen. Aber nur mit wem?

13.11.06

INFO FÜR ALLE!!!


Jetzt müsste es möglich sein, als unregistrierter Nutzer anonyme Comments zu hinterlassen.



Diese Brille ist eine lustige Type...

Für den Dayfish ne Übersicht; die anderen: Augen zu!






So, du Fotozelle, hier is meine Uni. In den langen Gängen verliert sich dein Geist und wird von professionellen Brainzockern eingefangen. Mit Goldstaub und Harfenmusik lässt er sich leicht in die seidene Falle locken. Doch du bekommst ihn zurück... Als Tagessuppe in der Mensa. Aber durch das Kochen ist er natürlich gestorben, dein armer, kleiner Geist. Nur noch als Sud durchwandert er dein Denken und lässt dich kalt und verwirrt zurück. Aber das ganze Salz, dass verliebte Großküchenköche im Massenwahn tonnenweiße in den Kochtopf streuten, erinnert dich daran, dass dein Geist dir einst auch die Suppe versalzen hat, aber nur um dich auf die Unmengen Zucker vorzubereiten, die er dann und wann aus seinem Hemdsärmel zu deinen Füßen, zu einem Berg bis an deinen Mund, zu rieseln lassen wusste... Also sei auf der Hut. Die Welt ist voller Zombies und wir bewegen uns auf schmalen Stegen über diesem gesellschaftlichen Vulkan. So nehme meinen weisen Rat an: Denke schnell, und denke dein Ding...
Grüezi wohl, der Käs' wird kalt,
machs gut und auf bald.

Da hätte ich noch einen kleinen Tipp: Der Song "Girl in the war" von Josh Ritter.