20.12.06

Ich halte die Stellung






Viel gelernt. In der Bar. In der Bib. Von Sonnenauf- über -untergang bis nachts und Dämmerung aus Bullauge Drei.

Freundlich: Mannheim bei bestem Krakow-Wetter kurz nach Lit.Wiss.-Klausur.

Die Mission ist beendet. Ein halbes Jahr ist vorüber. Zusammen haben wir geforscht, gelebt und zuletzt gelitten. Doch die Aufgaben wurden bewältigt, Mission-Controll bestätigte letzten Freitag das erfolgreiche Ende des Semesters. Die meisten sind schon gegangen. Das enge Zeitfenster und Heimweh rief einen Großteil meiner bulgarischen Kollegen schon zur Mutter Erde zurück.

Alleine in der Basis "Am Verbindungskanal".
Wie zu Beginn meines extraterrestrischen Aufenthaltes sind die Flure verlassen. Doch dieses Mal hat die Stille keinen Platz. Mit voller Lautstärke spiele ich auf der Orgel gegen sie an, so dass selbst das schweigsame Vakuum der Weltenräume zu klingen beginnt. Mit den Klausuren im Rückspiegel, mit zwei Monaten der Freiheit vor mir, genieße ich diese letzte Zeit in den 12 qm, die mir stets ein gutes zu Hause waren. Doch auch ich muss diesen Weg antreten, meinen Mond verlassen und in den Schwarzwald zurückkehren. Aber jetzt noch nicht. Ich tanze noch eine Weile den Tanz der Exklave, singe das Lied der Sterne und trinke mit meinem Verstand um die Wette. Ich höre die Lieder der guten, alten Zeit, erledige Dinge, die ich einstmal schönen Mädchen versprochen, aber nie in Angriff genommen habe. Ich laufe mit einem Sechstel meines Erdengewichtes über eine plane Fläche; in ihrer Weite mit meiner momentanen Zufriedenheit Hand in Hand über graue Hügel vor schwarzem Himmel. Nach Wochen der Anspannung, der geistigen Qual, kann ich nun denken, was ICH will. "Das ist ein ganz kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Sprung für einen Menschen, vor allem für MICH." Ich schicke Steine mit einem entspannten Wurf aus dem Hangelenk, jenseits meines Blickfeldes, fahre mit dem Mondmobil über Staub und Stein - mit 6 (mindblowing) km/h. Meine wassergekühlte Unterwäsche blubbert. Und manchmal fragen mich Möwen nach dem Weg. Ich habe in fünf Jahren Tankstelle gelernt, Wege präzise zu beschreiben, doch die reisenden Möwen lassen sich immer leicht zu einem Bourbon überreden. Dann erzählen sie einem vom Neptun, von der Sonne und vom Meer. Sie haben eine blühende Phantasie. Möwen.

12.12.06

Ein alter Text aus den Untiefen meiner 120GB-Festplatte

Die Grundordnung

Steht man auf dem Hügel und schaut ins Tal, wird man dort, im Schatten, die Umrisse einer riesigen undefinierbaren Struktur erkennen. Unweigerlich wird sich der Wunsch manifestieren, den Blick in die entgegengesetzte Richtung zu wenden.

Nach einer Drehung um 180° erlöst der Anblick des weiten Meeres den gequälten Geist von seiner Irritation. Selbst Astronauten in ihren Umlaufbahnen sehen das Meer. Das ewig weite Meer. Das Meer ist XXL. Größer als das Meer ist nur der Verdruss der Menschen, erkennend, nicht das Größte zu sein.

Das Wasser, die Wiege des Lebens, erzählt von der Erstehungsgeschichte des Seins. Der wahre Sinn des Lebens wird sich nicht in, von Menschen geschaffenen, Werken finden lassen. „Lass die Wasser sprechen“
sagte der Vogel und wendete sich um 180°. Er hörte zu, verstand, und flog davon.

Die anderen Wesen erstarrten in Ehrfurcht. Sie verstanden den Vogel. Nach seiner unmissverständlichen Demonstration des wahren und zugeordneten Seins entwickelten sich die Wesen der Welt. Jedes ging seinen Weg, jedes fand einen Platz. Denn das Meer ist weit.

Doch im Schatten hatte er verschlafen. Der Mensch hatte den Ruf des Vogels nicht vernommen. „Leck mich doch am Arsch!“. Er drehte den Herd auf 7000 U/min hoch, ließ den Rödler angespannt auf 3 bis 4 Wolle rüber, knallte den Räumer in die Prädulie und pushte die Fräse voll in die Leisten. „Na warte...“

20.000 PS flanierten über den roten Teppich. Der zuständige Supervisor staunte nicht schlecht als Manfred
mit gezückter .9er Uzi dem frisch verlobten Schauspielerpärchen die Entscheidung den Weg zu räumen und ihm die Aufmerksamkeit der angetretenen Paparazzi zu überlassen sehr leicht machte.

Gefragt nach der roten Rose, und erwartete man auch ein Lächeln, blieb ihr Gesicht völlig entspannt. Weiche Linienführung, umschmeichelt von blauem Rauch einer edlen Zigarett' die sie in der goldenen Box aufzubewahren pflegte. Der rote Mund...

Die Wand zerbarst. Zwanzig trollige Clowns der Hamburg Mannheimer sprangen im Zick Zack durch den Staub, ihre lustigen Palmwedel als Besen missbrauchend. Ein Schwarm heißer Cheerleader folgte, ihre lustigen Puschel als Besen missbrauchend.

Sie brach in schallendes Gelächter aus. Tränen rannen ihr über die weiche Linienführung. Asche auf ihrem Knie. Die Haare zerzaust, die Perlenkette sah noch gut aus. „Entschuldigen Sie.“ Sie atmete tief durch legte eine neutrale Mine auf.

Er legte sich auf eine feindliche Mine drauf und ging flöten. Das Lied vom einsamen Hirten klang in lieblicher Ästhetik vom Hügel hinan. Die Wucht der Explosion überschritt seine Schmerzgrenze und schlafen konnte er jetzt auch nicht mehr.

Der einsame Hirte trieb seine Schafe eigenhändig vom Hügel in die einladend fruchtigen Ebenen des Tieflands. Seinen Hund hatte er im letzten Krieg eingebüßt. Schreckliche Geschichte. Er hatte es sich nicht träumen lassen, dass Hunde tatsächlich als Helden im Glanze des Mutes und der Aufopferung ihren Weg zu den Sternen fänden.

Die Straße ist lang und ohne Kurven. Mit einem schnellen Auto kommt er an. Tolle Reifen, klasse Rückspiegel, super Antenne, dufte Karre einfach. Die Tussi sagt noch zu ihm das es keine Straße auf Gottes großer weiter Welt gibt, die ganz ohne Kurven auskommt, als der Hobel die Leitplanke durchbricht.

„Was für eine Sauerei.“ Der Chief Detective nimmt seine Sonnenbrille ab. Mit dem Zeigefinger schnippt er die Rückstände eines menschlichen Auges vom Knie. „Den hat es ja ganz schön zerfetzt.“ Der Detective stand auf und bog seinen Rücken durch. „ Ach ja...., die Jugend von heute, die ham einfach kein Respekt mehr vor Edward Newton.“

Sobald ein neues Thema beginnt, schaltet der Mensch auf RESET ohne das Vorhergehende zu vergessen. Er denkt einfach weiter ohne.

Die liebliche Bootsfahrt endete aprupt, als der Fluss eine steile Biegung nach unten machte. Das Brautpaar knallte händchenhaltend aus neunhundert Metern Höhe auf einen neckischen Felsen.

Karle johlte. 2:0! Wer hätte das gedacht.

11.12.06

Ein steiniger Weg







Als erstes mein Studentenwohnheim am Orinoco-Delta, dann der Jörg und ich im Lerntempel um für das Bestehen der Klausuren zu beten, und zudem noch der Abend mit dem Dave, an dem mich ein Professor der Musikschule einschüchtern wollte, weil ich in einer Schülerbandkonzertpause auf die Bühne gelaufen bin, dem Publikum zugewunken, mich an den "Steinway" gesetzt hab und was spielen wollte. Da kam der aber angerannt, nach zwei, drei Akkorden ... stinksauer. Auf die Frage, wer er denn eigentlich sei, is er noch saurer geworden. Ich habe dann abseits der Bühne noch eine kleine Weile mit ihm geredet, er war ein bisschen unsicher, hat aber in ruhigem Tonfall kleinlaut zugegeben, dass er Angst vor dem Klavierbeauftragten habe und dass es wegen dem nicht geht, das jeder, der will, auf einem 150'000 € Klavier rumklimmpert. Warum das traumhafte Klavier nicht benützt wird, wollte ich wissen, gerade in so einer Umbaupause, warum den JETZT keiner vorne sitzt, hätte ja nich ich sein müssen, und was Schönes spielt, anstatt Plastikmucke vom Band laufen zu lassen. Da ist er weggelaufen, und hat leise geweint, weil er sein Scheitern als Programmdirektor des (sehr schlechten) Konzertabends und als Professor der MusikHOCHschule einsehen musste.

Wir wollten diesen traurigen Ort verlassen, aber auf eine Eingabe vom Davide hin, sind wir vor dem Ausgang im Foyer links abgebogen, eine Treppe nauf. Ein menschenleerer Flur, Stille und eine offene Tür. Dahinter war das, was oben auf den Bildern zu sehen ist. Ein kleiner Konzertsaal mit Bühne und noch einem "Steinway"-Flügel. Unbewacht.

10 Minuten. Länger wollte ich mein Glück nicht strapazieren.