




Viel gelernt. In der Bar. In der Bib. Von Sonnenauf- über -untergang bis nachts und Dämmerung aus Bullauge Drei.
Freundlich: Mannheim bei bestem Krakow-Wetter kurz nach Lit.Wiss.-Klausur.
Die Mission ist beendet. Ein halbes Jahr ist vorüber. Zusammen haben wir geforscht, gelebt und zuletzt gelitten. Doch die Aufgaben wurden bewältigt, Mission-Controll bestätigte letzten Freitag das erfolgreiche Ende des Semesters. Die meisten sind schon gegangen. Das enge Zeitfenster und Heimweh rief einen Großteil meiner bulgarischen Kollegen schon zur Mutter Erde zurück.
Alleine in der Basis "Am Verbindungskanal".
Wie zu Beginn meines extraterrestrischen Aufenthaltes sind die Flure verlassen. Doch dieses Mal hat die Stille keinen Platz. Mit voller Lautstärke spiele ich auf der Orgel gegen sie an, so dass selbst das schweigsame Vakuum der Weltenräume zu klingen beginnt. Mit den Klausuren im Rückspiegel, mit zwei Monaten der Freiheit vor mir, genieße ich diese letzte Zeit in den 12 qm, die mir stets ein gutes zu Hause waren. Doch auch ich muss diesen Weg antreten, meinen Mond verlassen und in den Schwarzwald zurückkehren. Aber jetzt noch nicht. Ich tanze noch eine Weile den Tanz der Exklave, singe das Lied der Sterne und trinke mit meinem Verstand um die Wette. Ich höre die Lieder der guten, alten Zeit, erledige Dinge, die ich einstmal schönen Mädchen versprochen, aber nie in Angriff genommen habe. Ich laufe mit einem Sechstel meines Erdengewichtes über eine plane Fläche; in ihrer Weite mit meiner momentanen Zufriedenheit Hand in Hand über graue Hügel vor schwarzem Himmel. Nach Wochen der Anspannung, der geistigen Qual, kann ich nun denken, was ICH will. "Das ist ein ganz kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Sprung für einen Menschen, vor allem für MICH." Ich schicke Steine mit einem entspannten Wurf aus dem Hangelenk, jenseits meines Blickfeldes, fahre mit dem Mondmobil über Staub und Stein - mit 6 (mindblowing) km/h. Meine wassergekühlte Unterwäsche blubbert. Und manchmal fragen mich Möwen nach dem Weg. Ich habe in fünf Jahren Tankstelle gelernt, Wege präzise zu beschreiben, doch die reisenden Möwen lassen sich immer leicht zu einem Bourbon überreden. Dann erzählen sie einem vom Neptun, von der Sonne und vom Meer. Sie haben eine blühende Phantasie. Möwen.
